Der Grand Prix, weniger bekannt unter seinem eigentlichen Titel „Eurovision Song Contest“, wird in diesem Jahr ein klein wenig anders sein, als wir ihn kennen. Wie heute bekannt wurde, wird Peter Urban, der seit 1997 die deutsche Übertragung aus dem Off moderiert, dieses Jahr aufgrund gesundheitlicher Probleme (Hüft-OP) sein Mikro an den Kollegen Tim Frühling vom hr3 übergeben. „Seit ich sieben bin, habe ich kaum einen Eurovision Song Contest verpasst – damals hat Nicole für Deutschland gewonnen“, sagte Frühling einem Bericht von Welt Online zufolge.

Gewinnen wollen die Deutschen dieses Jahr natürlich auch. Schon länger bekannt ist mit wem: Alex Christensen und Oscar Loya als Duo „Alex Swings Oscar“. Vergangene Woche wurde nun zudem bekannt, dass die beiden noch tatkräftige Unterstützung bekommen werden. Die Bourlesketänzerin (manche sagen schlicht „Stripperin“) Dita von Teese wird – strippend – den deutschen Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ sozusagen „visualisieren“ (wie berichtet).

Neu ist neben einem anderen Moderator in diesem Jahr auch die Votingprozedur. Erstmals seit 1997 können nicht mehr die Zuschauer allein abstimmen, wer den nun den Grand Prix bzw. Song Contest gewinnen soll. Ihr Votum zählt nur noch zur Hälfte. Die andere Häfte wird (in jedem Land) eine professionelle Jury ausmachen. Professionell muss angesichts der deutschen Juroren allerdings als ein weiter Begriff gefasst werden. Für Deutschland beurteilen die Beiträge der anderen Ländern nämlich Guildo Horn, Jeanette Biedermann und (sic!) Brüllbarde H.P. Baxxter (Scooter).

Hintergrund der veränderten Voting-Prozedur ist der Vorwurf, dass in den vergangenen Jahren beim Publikum nicht die Qualität der Musik sondern nationale Interessen (sozusagen der Ostblock-Klüngel) das Voting beeinflusst hätten. Manche sagen, dass sei nur eine Mär.

In einem Artikel zum bevorstehden Grand Prix findet die TV Today wahre Worte über diesen seltsamen Gesangswettbewerb gegen den DSDS wie eine hochkulturelle Veranstaltung wirkt (finde ich):

Musik als kleinster gemeinsamer Nenner – ob das vor 53 Jahren den Erfindern des Wettsingens so vorgeschwebt hat? Sicher nicht. Genauso wenig, wie sie vorhersehen konnten, dass der Grand Prix von einer Bühne der Völkerverständigung zur Arena für den Clash der Kulturen werden würde. Wo die lebenshungrige Partylaune junger Demokratien, folkloristische Vaterlandsliebe und westeuropäische Ironiekultur sich achselzuckend gegenüberstehen.

Der Grand Prix bzw. der Eurovision Song-Contest findet am 16. Mai 2009 in Moskau statt und wird ab 20 nach acht von der ARD übertragen. Manches hat sich geändert, aber eines bleibt sicher auch dieses Jahr gleich: Es wird eine peinliche Veranstaltung werden. Das da irgendjemand bei der ARD zum Beispiel auf die Idee gekommen ist, H.P. Baxxter in die Jury zu setzen, spricht Bände. Wer aber Dita von Teese für Deutschland strippen sehen will oder unter Einschlafstörungen leidet, sollte einschalten.

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