Hasst Bürokratie: Bürokrat Ron Swanson (Nick Offerman) (c) NBC

Hasst Bürokratie: Bürokrat Ron Swanson (Nick Offerman) (c) NBC

„I did it, because I hate bureaucracy. My idea of a perfect government is: one guy who sits in a small room at a desk. And the only thing he’s allowed to decide is who to nuke.“

In der vergangenen Woche hatte ich eine ausführliche Rezension über die neue Mockumentary „Parks and Recreation“ (freitags, NBC) geschrieben. Schon nachdem ich eine Nacht über die Sitcom geschlafen hatte, war ich überzeugt, dass mein Fazit, dass diese Sendung eine Chance verdient, richtig war. Genaugenommen mag ich „Parks and Recreation“ richtig gerne. Viele amerikanische Kritiker hatten ebenfalls geschrieben, dass die Sendung etwas Zeit bräuchte sich zu entwickeln und vor allem, man solle sie nicht unfairerweise mit „The Office“ in einen Topf werfen.

Letzteres ist aber weder unfair, noch unberechtigt, die vierte Episode zeigt die klarsten Übereinstimmungen zu „Office“. In dieser Folge muss Bürokratin Leslie Knope zu einer Anhörung, weil ihre 19jährige Mitarbeiterin auf einem Internetvideo Wein trinkend zu sehen ist, Leslie hatte diese Flasche Wein geöffnet. Klingt nicht dramatisch, isses aber in Amerika.

Dann passierte das, was wir schon aus „The Office“ kennen: in einem unerwarteten Moment reagiert jemand, von dem wir es am wenigstens erwarten, völlig anders, als wir denken, meistens moralisch. Leslies Boss, dem sie in ihrer seltsamen Selbstwahrmung noch dankte, dass er bei der Anhörung dabei ist (obwohl er ohnehin muss, wie er selbst zu ihr sagt) ergreift plötzlich Partei für sie und schützt sie vor den teilweise intimen Fragen. Obgleich Ron Swanson (im Bild), also ihr Boss, hauptsächlich andere Motive hatte (siehe Zitat oben), blitzt aus dem widerwärtigem Boss für einen Moment ein guter Mensch hervor.

Das Hauptmotiv der ersten drei Episoden war, wie in der vergangenen Woche geschildert, in Leslie eine tragisch-komische Figur zu finden, die (unabsichtlich) zum Mittler zwischen den vom Volk entfernten Bürokraten und dem die Bürokraten hassendem Volk selbst wird. In dieser vierten Episode ging es nun darum, die Ernsthaftigkeit und Kleinkariertheit der Bürokratie anzugreifen. Zu Beginn der Sendung werden Leslie und Kollege Tom (der sich wie üblich für nichts interessiert) gerufen um Jugendlichen, die sich mit Hundekot bewerfen zur Ordnung zu rufen. Statt dessen mischt sie sich in die Schlacht ein und wirft zurück, anstelle Bußgelder zu verhängen. Am Ende trinkt sie Bier im Büro (mit Mitarbeiter Mark) nachdem er ihr riet, nicht alles (so auch die Aktennotiz wegen des Weins) so ernst zu nehmen

Verglichen mit den ersten Folgen ist das banaler, aber, und das ist das Gute, es funktioniert besser. Die Folge wirkt aus einem Guss. Ich finde gerade auch, weil es viele ähnliche Gags und Wendungen wie bei „The Office“ gibt. Leslies Panikattacke als sie erfährt, dass sie zur Anhörung muss, könnte genauso geschrieben für und gespielt von Steve Carell als Michael Scott sein. Kopien sind nicht immer was schlechtes.

ustv0910