Lässt sich nicht unterkriegen: Bürokratin Leslie Knope

Lässt sich nicht unterkriegen: Bürokratin Leslie Knope (Amy Poehler)

Es wäre ein Fehler, die bislang zugegeben noch schwerfällige und pointenarme neue Sitcom „Parks and Recreation“ zu unterschätzen. Nicht, weil die Show von den Office-Machern Greg Daniels und Michael Schur miterdacht wurde, sondern weil sie eine Idee hat. Dazu später mehr.

Amy Poehler („Saturday Night Live“) spielt in „Parks and Recreation“ die Bürokratin Leslie Knope in der amerikanischen Kleinstadt Pawnee. Nach einer Bürgersprechstunde, in der sie erfährt, dass jemand in eine Baugrube gefallen ist und sich beide Beine brach, beschließt Leslie diese Baugrube in einen Park zu verwandeln. Das ist ab da ihr großes Ziel. Der Park.

Doch niemand außer sie selbst scheint an dieses Vorhaben zu glauben. Ihr Boss Ron Swanson kann engagierte Bürger oder Beamte gar nicht ab. Das Parks and Recreation-Department besteht in seinem Sinne eigentlich nur, um keine Parks zu bauen. Über den idealen Mitarbeiter sagt er:

„But I like Tom. He doesn’t do a lot of work aorund here. He shows zero initiative, he is not a team player, he never wants to go that extra mile. Tom is exactly what I’m looking for in an government employe.“

Tom Haverford ist Leslies Kollege und ein Möchtgern-Frauenheld. Hinzu kommen die Krankenschwester Ann und ihr Mann Andy (der besoffen in die Baugrube fiel), sowie Kollege und Leslies heimliche Liebe Mark. Damit ist das Unterkomitee zur Parkplanung vollständig. In den ersten drei Episoden gilt es Nachbarschaft, Vorgesetzte und Presse zu überzeugen, dass der Park eine gute Idee ist. Doch alles geht schief.

Ähnlich wie einst beim Start des amerikanischen Office, dass zuerst wie eine zu bemühte Nachstellung des britischen Originals wirkte, ist das, genau wie Office als Pseudodokumentation (sog. Mockumentary) ohne „Laugh Track“ gefilmte, „Parks and Recreation“ zunächst einmal schwerfällig und auch schwer zu fassen. Die Charaktere wirken fremd, nicht jeder Gag funktioniert so, wie er gedacht ist. Doch daran sollte man die Sendung nicht messen.

Entertainment Weekly sieht das ähnlich und schreibt: „One would be foolish to underestimate the series 
this early on“. Amy Poehlers Schauspiel, die locker als weibliche Version von Michael Scott (The Office) durchgeht, aber eigene Akzente setzt, wird in der allgemein gnädigen Kritik der US-Reviews gelobt: “ She’s awkward but not alienating, and she’s eager without being repelling. Most of all, there’s a genuine heart to her that gives the comedy a balance and lets it be mocking without resorting to cruelty.“ (hollywoodreporter)

Die besondere Stärke von „Parks and Recreation“ liegt aber, genau wie bei Office darin, dass die Sendung einer Idee folgt. Bei Office ist es so, dass ganz anders als im banal-zynischem deutschen Stromberg, Michael Scott im Grunde eine positive Figur ist. Er ist oft diskrimminierend, hilflos, schießt über das Ziel hinaus, vielleicht auchmal faul, verzweifelt, aber eins tut Michael Scott immer: Er versucht alles, aber wirklich alles (auch wenn es schief geht oder am Ziel vorbei), um seine Mitarbeiter zu motivieren.

Leslie Knope ist ebenfalls ein Vorbild, wenn man so will. Sie ist hilf- und ahnungslos, völlig überfordert, aber sie glaubt an ihre Sache. Sie glaubt an den Park. Ihre völlig verrückte Wahrnehmung der Realität ist doch zugleich die Botschaft. Als ein wütender Bürger sagt: „Hey Parklady – you suck!“ antwortet sie dem (fiktiven) Doku-Team: „Habt ihr gehört, er hat Parklady gesagt“

Adam Hanft von der Huffington Post sieht in der Person Leslie Knope und ihrer Haltung, und den im Gegensatz dazu dem Bürger entfremdeten weiteren Bürokraten (siehe ihr Chef oben) eine Parallele zur amerikanischen Gesellschaft:

The show announces that we’ve come a long way from the Reagan era: no longer is government the problem. But Poehler’s cheery Jeffersonian hopefulness is only part of the story; the rest of her cast sees the world a bit differently. They’ve given up, tossed in the white flag of shrugged-shoulder surrender. Her silly idealism only yields eye-rolling.

[…]

Similarly, I wonder if Parks and Recreation is picking up on the green shoots of a new belief, that government is not our nemesis, that the uncelebrated and the mocked who labor there actually care about what they do, and that they can change lives for the better.

Das Schöne, das besonders Kluge an Office wie auch Parks and Recreation ist, wie ich finde, dass neben der Kritik, dem ins Lächerliche ziehen von kritikwürdigen Dingen der Grundtenor beider Sendungen ein hoffnungsvoller ist.

Michael Scott ist vom Ehrgeiz getrieben, der beste Papierverkaufsmanager zu sein und alles für seine Mitarbeiter zu tun, Leslie Knope glaubt irgendwie daran, dass sie mit ihrem Park etwas für die Bürger und ihr Stadtviertel tun kann, für das Verhältnis von beiden zueinander. Die Show zeigt auf eine amerikanische Gesellschaft und sagt: Schaut her, so ist es. Aber da ist auch jemand, der weiß zwar nicht genau wie, aber der will etwas richtig machen.

„Parks and Recreation“ hat also eine Botschaft. Noch im Eindruck von Barack Obamas „Yes, we can!“ könnte es zum Beispiel diese sein. Den Ausflug zu Obama spare ich mir mal, das steht alles bei der Huffington Post. 6,8 Millionen Amerikaner jedenfalls sahen die erste Episode der Show. Inzwischen sind es etwas mehr als 5 Millionen. Immerhin. Hoffen wir, dass NBC „Parks and Recreation“ diesselbe Chance gibt, die auch Leslie Knope verdient hat. Beide wollen etwas Gutes.

ustv0910