In die Jahre gekommen: Bob Saget in Surviving Surbia und in FullHouse

In die Jahre gekommen: Bob Saget in Surviving Suburbia (2009, als Steve Patterson) und in Full House (1987-95, Danny Tanner)

Am Montag Abend startete nach „Dancing with the Stars“ auf ABC eine neue Sitcom. Surviving Suburbia. Überleben in der Vorstadt. Klingt erstmal normal. Doch die Tatsache, dass es eben auf ABC läuft, einem klassischen Familiensender, und das Bob Saget (Full House) die Hauptrolle, also die des Familienvaters spielt bereitete mir Kopfzerbrechen, ob ich mir das wirklich anschauen sollte. Der erste Gag war dann auch erwartungsgemäß schlecht, noch schlechter als ich fürchtete:

TV-Sprecher: Join us tommorow night with the result-show of Dacing with the Stars…

Mutter: They’re just so beautiful when they dance!

Tochter: You should dance with mommy.

Vater: And you should be in bed.

laugh track

Offensichtlich war es auch nicht ds Ziel einen irgendwie lustigen Gag zu machen, sondern es den „Dancing with the Stars“-Zuschauern (die schlechtes Programm ohnehin gewöhnt sind) irgendwie leichter zu machen dran zu bleiben. Also ein Tanzshow-Gag. Gähn. Nach 21.37 Millionen Dancing…-Zuschauern (ab 21 Uhr) waren dann auch 12.16 Millionen bei Surviving Suburbia dabei, was erstmal nicht schlecht klingt, in diesen Regionen bewegen sich auch The Office (NBC, donnerstags) oder Big Bang Theory (CBS, ebenfalls montags). Ohne Dancing with the Stars (ab Mitte Mai) dürften die Quoten jedoch tiefer ausfallen in den kommenden Wochen.

Der Vater also in der obigen Szene heißt Steve Patterson und scheint ein liebenswerter Typ zu sein, der aber schonmal Fehler macht, ohne sie böse zu meinen. Die Amerikaner beschreiben ihn als „grumpy“, also mürrisch. Etwa so wie Doug aus King aus Queens, mit dem Unterschied, dass er, also Bob Saget um genau zu sein, total seriös aussieht. Mutter Anne ist da der passende Gegenpart, vernünftig, bedacht, moralische Instanz. Töchterchen Courtney ist süß, frech und schlau, und im Gegensatz zu der von den Olsen-Zwillingen gespielten Michelle in „Full House“ nicht sonderlich enervierend. Sohn Henry bleibt erstmal unspezifisch, darf aber die Vaterrolle übernehmen/parodieren, weil Steve sich in Schwierigkeiten bringt und wie ein Teenager verhält.

Ich habe tatsächlich einen guten, super getimten Gag gefunden in diesen 22 Minuten der ersten Folge. Nämlich den als Steves Freund und Nachbar als sie bei einem anderen Nachbarn die Fische füttern sollen (statt dessen aber ausversehen das Haus anzünden) plötzlich mit Cognac-Schwenker und Havanna vor ihm steht (muss man selber sehen).

Surviving Suburbia ist alles in allem eine klassische Familien-Sitcom (wenn es interessiert: multi-cam) die vom Konzept her genauso in die Jahre gekommen wirkt wie Bob Saget. Die zaghaften Versuche ironisch und zynisch zu sein, bleiben insbesondere für 2009 recht brav. An den derben Humor oder die komplette Verballhornung des amerikanischen Familienbildes wie in „Eine schrecklich nette Familie“ oder „Auf schlimmer und ewig“ wird verzichtet, ganz so spießig wie „Eine starke Familie“ ist es aber bei weitem nicht. Surving Suburbia orientiert sich eher an zeitgemäßen (und eher langweiligen) Sitcoms wie etwa „Immer wieder Jim“.

Und da fängt auch schon das Problem an: Surviving Suburbia ist praktisch nicht innovativ, austauschbar und unterscheidet sich in nichts von anderen Familien-Sitcoms der letzten Jahre.

US-Kritiker und Blogger Chuck Barney schreibt:

It’s not that “Suburbia,” starring Bob Saget as a cynical dad, is a horrible show. In fact, it’s not even ABC’s worst sitcom right now. That honor would go to “In the Motherhood.” It’s just that it has no real reason for being. It’s a series that looks and feels like hundreds of other sitcoms, with the same kind of tone, the same forced one-liners and the same ridiculously annoying laugh track.

Und Linda Holmes schlägt vor, wie man die 30 Minuten sinnvoller nutzen könnte, als dafür sich „Surviving Suburbia“ anzuschauen.

Um es also kurz zu machen: „Surving Suburbia“ ist eine Standard-Familien-Sitcom ohne Stärken, die man allerhöchstens schauen sollte, wenn man denn ein großer Fan von Saget in Full House war. In Deutschland könnte sie prima den Marktanteil von RTL II im Vorabend-Programm drücken.

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