Der fremde Sohn (Changeling)

Der fremde Sohn (Changeling)

In der letzten Jahren gab es zahlreiche Filme über verschwundene Kinder: In „Gone Baby Gone“ (2007) verschwindet die vierjährige Tochter einer drogensüchtigen Mutter, in „Freedomland“ (2006) wird das Auto einer Mutter gestohlen, in dem sich vermeintlich noch der Sohn befand. Zwei Jahre vorher stirbt in „Die Vergessenen“ ein Junge, wurde aber, wie sich herausstellte dann in Wirklichkeit von Außerirdischen entführt. In den letztgenannten Filmen gab Juliane Moore die verzweifelte Mutter. In Changeling („Der fremde Sohn“) darf nun Angelina Jolie die Mutter des verschwundenen Kindes spielen. Ihr wird ein falscher Sohn untergschoben.

„Changeling“, unter der Regie von Clint Eastwood, ist dabei aber kein Standardthriller geworden, und schon gar keine Mysterie-Geschichte, sondern ein recht starker, langer, aber nicht langatmiger Film über Hoffnung und Gerechtigkeit, der verschiedene Handlungsfäden klug kombiniert, sich nicht verzettelt und einzig durch eine etwas zu extrem geschminkte Jolie zu irritieren weiß.

Jolie spielt Christine Collins, eine alleinerziehende Telefonistin in den 1920er Jahren, deren Sohn Walter eines Tages plötzlich verschwindet. Nach Monaten behauptet die Polizei Walter wiedergefunden zu haben, aber der Sohn, den sie präsentiert ist überhaupt nicht Collins Sohn. Nachdem Collins sich dennoch überreden lässt, das neue Kind bei sich aufzunehmen, sagt sie schließlich der Polizei den Kampf an. Die hatte, so wissen wir dann bereits, den falschen Sohn untergeschoben, um ihr durch Korruption beschädigtes Image aufzupolieren. Christine Collins Kampfansage bleibt nicht folgenlos. Sie gerät in Schwierigkeiten.

Wie auch in aktuell „Gran Torino“ und vorangegangenen Filmen, versteht es Eastwood  in diesem Werk sehr gut, mit den Gefühlen des Zuschauers zu spielen.  Dabei  ist der auf einer wahren Geschichte beruhende „Changeling“ durchaus vielseitig, was seine Charakterzeichnungen und Tiefe betrifft. Gerade auch der später auftauchende Serienmörder Gordon Northcott ist interessant gezeichnet. Jedoch sind das gekonnte erzählerische Mittel, die nicht davon ablenken können, dass Gut und Böse stark und deutlich getrennt sind. Daraus macht Eastwood wie auch in „Gran Torino“ keinen Hehl. Das böse existiert und muss betraft werden. Er und damit auch der Zuschauer kommen nicht umhin, sich auf die Seite des Guten zu schlagen und so ist es auch kaum verwunderlich, dass die Hinrichtung Northcotts gegen Ende eine gewisse Genugtuung verschaffen kann.

Die Serienmörder-Handlung ist neben der Geschichte des Pastors Gustav Briegleb, der Christine Collins in ihrem Kampf unterstützt, und der später im Film auftauchenden zweiten betroffenen Mutter entführter Kindern gekonnt in den Gesamtfilm eingeflochten, so dass am Ende alles ein schlüßiges Bild ergibt. Das Haupthema das Films ist aber eben nicht die Todesstrafe oder ein Kriminalfall, sondern, wie erwähnt, die Gerechtigkeit und ihr Sieg in der zivilgesellschaftlichen Auflehnung gegen den verkommenen Staats- bzw. Polizeitapparat. Daneben erzählt „Changeling“ in Person von Christine Collins eine zeitlose Geschichte von Hoffnung und Mut einer Mutter, die bereit ist alles hinzunehmen um ihren Sohn wiederzufinden. Clint Eastwood ist gelungen, was er am besten kann: spannendes und manipulatives Emotionskino.

Kritiken zu Changeling auf anderen Blogs: critic.de, Kino, TV & Co., CJuergens, dramaking

Changeling (Der fremde Sohn), USA 2008, IMDB, Trailer bei Youtube, seit Januar im deutschen Kino