Wer Freude am gepflegten Streit hat, oder auch nur dabei zuzusehen, der ist derzeit mit Don Alphos Faz-Blog „Stützen der Gesellschaft“ gut bedient. Das gibts hier:

„Stützen der Gesellschaft“

Dort gehts derzeit hoch her. Das Schöne an diesem Blog und den Diskussionen ist, dass Don Alphonso sich selbst und das was er dort treibt auch mal ab und an erklärt, bevor er sich, ganz offensichtlich mit großer Freude, wieder dem gediegenen Streit mit den urknallhaft aufgetauchten Kommentatoren dort widmet.

So schreibt Don Alphonso in den Kommentaren seines gemeinem Artikel über das Ende der Vanity Fair und den schlechten Geruch Berlins:

Bildungsbürger, die Idee dieses Blogs ist es, einen Zapfhahn hineinzutreiben in das dicke, runde Fass der Vorstadtbürgerlichkeit und feste daraus einzuschenken. Nicht nur Pappbecher, nein, gleich die grossen Krüge müssen es sein. […]

Sollten Sie ein Kasterl für schelmenliteratur – Gil Blas, Lozana, Taugenichts und anderes – besitzen, wäre ich dankbar, dort einsortiert zu werden. Mehr will ich auch gar nicht sein.

Off the record meint über die „Stützen der Gesellschaft“:

Lesenswert angesichts kunstvoller und ziselierter Gedankengänge, die zuweilen mit weiten historischen Bögen am Lack der (besseren) Gesellschaft kratzen. Ein Blog, der binnen kurzem eine geradezu beneidenswerte breite Debattenkultur evoziert hat.

Das Weblog hat eigentlich alles, was man für beste Unterhaltung braucht, eine streitbare Persönlichkeit, mit spitzer Feder und tollem Stil, Ironie und eine lebendige, manchmal höfliche, manchmal polemische, bisweilen enthüllende Debatte. Schaut man in die Statistiken der zahlreichen, breit gefächerten Faz-Blogs, sieht man, dass mit aktuell 16 Beiträgen schon weit über 1100 Kommentare produziert wurden (viel viel mehr als die anderen Blogs mit mehr Beiträgen), die aber nicht nur zahlreich, sondern auch klug sind oder scheinen, zum Großteil ihren Wert haben. So schreibt einer:

Diese allgemein gern geäußerte, alberne Berlin-Abneigung der schreibenden Zunft aus dem alten Westen hat sicherlich mit einer gewissen, auch Ihnen zu Eigen seienden Begrenztheit der Menschen, die immer die Berge vor der Nase haben, zu tun, andererseits damit, daß man Sie vielleicht das Quartier 206 kennen mögen und die Jahrgänge zweifelhafter italienischem Modeschöpfer auseinander zu halten in der Lage sind, aber offensichtlich nie eingeladen waren im Salon des Nicolaus Sombart, nie eine Lecture von Julius Posener besucht haben und auch nicht mit Wolf Jobst Siedler durch Dahlem spaziert sind, […].

Amüsant. Ich weiß nicht, ob dieser Kommentator und die anderen, ob die alle vorher schon Blogs gelesen haben (oder auch Blogs!), aber was da grad passiert, ist spannend und ein bisschen so, wie es eigentlich zugehen sollte in Weblogs, wenn auch manchmal in einer unfreiwllig ironischen Form (das sollte man aber niemandem Übel nehmen).

Nach einem ersten noch reichlich oberflächlichem Blick in diese Debatte habe ich jedenfalls Lust auf mehr.

Auf diesem Blog:

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