The Big Bang Theory

The Big Bang Theory

Mit zuletzt (9. Februar) 12,72 Millionen Zuschauern in Amerika erreicht die CBS Sitcom “ The Big Bang Theory“ Quotenhöhen, die „The Office“ locker Parolie bieten können. Ein guter Grund mal einen genaueren Blick auf die Nerd-Comedy zu werfen.

„The Big Bang Theory“ ist eine klassische US-Sitcom und dreht sich um das Leben von vier Geeks und einem Mädchen. Die vier sind: ein sozialphobisches Genie, ein Möchtegernfrauenschwarm und Jude, ein Inder, der in Gegenwart von Frauen nicht reden kann und ein gutherziges Weichei. Alle vier arbeiten als Wissenschaftler. Das Mädchen ist die blonde Nachbarin Penny, die Schauspielerin werden möchte, aber als Kellnerin arbeitet. Der darin angelegte Mythos des jungfräulichen Geeks wird aber recht schnell zerstört, da außer Sheldon recht schnell alle auchmal eine Frau abbekommen. „Big Bang Theory“ dreht sich nicht oberflächlich um solche Klischees, sondern geht tiefer. Später mehr.

Geeks und Girl, das erinnert vielleicht zunächst an den britischen Emmy-Gewinner „The IT Crowd“ (Channel 4). Doch außer der Tatsache, dass es in beiden Fällen um Geeks geht, haben die Serien nicht viel gemeinsam. Das fängt einfach schon damit an, dass „The IT Crowd“ den typischen britischen schwarzen Humor hat und auf der anderen Seite auch ein subtiles Gespür für komische Situationen. Als in der Folge „The Working Out“ bei einem Theaterbesuch Moss plötzlich als Barkeeper auftaucht, konnte ich mich vor lachen kaum halten. Die Absurdität der Situation und die Reaktion Jens darauf waren grandios inszeniert. Die Serie insgesamt ist recht filmisch und spielt gerne und oft auch mal außerhalb des Kellerbüros.

Solchen Strategien folgt Big Bang Theory nicht, wenn hier gelacht werden soll, dann wird gelacht, als Haupt-Kulisse dienen Wohnung und Caféteria. Die Stärke und Qualität von Big Bang Theory liegt in zwei Dingen: Zunächst einmal greift Big Bang anders als IT Crowd hauptsächlich und sehr authentisch den wirklichen, realen Nerd Humor auf, der weit über den IT-Running-Gag „Have you tried turning it off and on again“ hinausgeht. Ob Internet, Videospiele oder Comics, alles wird sehr detailliert und realistisch parodiert. Hinzu kommen zahlreiche wissenschaftsbezogene Gags. Die Ideenfülle der Autoren scheint schier unerschöpflich. Die zweite große Qualität ist die Zeichnung der Figuren und deren grandiose schauspielerische Interpretation.

So ist es zum Beispiel unmöglich über den genialen, aber sozial völlig unkompeteten Sheldon Cooper (Experimental theoretischer Physiker) nicht zu lachen oder begeistert zu sein, wenn er die Nachbarin Penny fragt, ob ihr aufgefallen sei, dass es in Superman zahlreiche wissenschaftliche Ungenauigkeiten gibt. Darauf antwortet sie „Ich weiß, Menschen können nicht fliegen“, doch Sheldon geht eine Ebene weiter: „Nein, nein, lass uns annehmen sie könnten es“ und erklärt dann akribisch warum die Rettung der herabstürzenden Lois Lane durch den Mann aus Stahl, diese eigentlich in drei Teile spalten müsste. „Wenn Du mich fragst, sie auf den Boden aufprallen zu lassen, wäre ein weit barmherzigerer Tod“ (Youtube-Video dieser Szene, neuer Link). Der Schauspieler Jim Parsons, den man für sein Spiel gar nicht genug loben kann, war übrigens mit einem fast identischen Charakter kurz in Garden State zusehen.

Neben Sheldon wurde die Serie zu Beginn hauptsächlich um Leonard Hofstadter aufgebaut, der von Johnny Galecki gespielt wird, den wir alle kennen: er war auch David in der Kult-Sitcom „Roseanne“. So eilten in Nebenrollen auch Sarah Gilbert (Darleen) und Laurie Metcalf (Jackie) aus „Roseanne“ zur Unterstützung heran. Waren es anfangs noch Gags wie der zitierte mit Superman oder die „Halo Night“, „World of Warcraft“ die vor allem Nerdherzen schneller schlagen lassen, so hat „Big Bang Theory“ mit der zweiten Staffel ein Niveau erreicht, dass folgerichtig bei gesamten Publikum Würdigung findet.

Gleich dreimal kam es in der laufenden zweiten Staffel bei mir vor, dass ich dachte, die beste Folge gesehen zu haben: Zunächst in „The Barbarian Sublimation“, in der Penny onlinespielsüchtig wird, dann die Folge „The Bath Item Gift Hypothesis“, die das Jahr 2008 mit einem Gag abschloß, den man zumindest in Nerdkreisen wohl als „episch“ bezeichnen muss (auf keinen Fall danach googlen oder bei Youtube schauen, die gesamte Genialität erschließt sich nur, wenn man alle anderen Folgen und die Charakterentwicklung- und Beziehungen vorher gesehen hat). Und schließlich die bislang letzte Folge „The Maternal Capacitance“, in der Sheldon in Leonards erstmals auftauchender Mutter zum ersten Mal in seinem Leben einen Seelenverwandeten findet.

Nach Informationen von Quotenmeter hat sich ProSieben wohl schon vor einem dreiviertel Jahr die Rechte an „The Big Bang Theory“ gesichert. Ob dabei durch die Synchronisation nicht der ursprüngliche Humor verloren geht, muss wohl als ziemlich realistisch angenommen werden. Also wenn möglich unbedingt im Original anschauen.

Update 18.11.09: Hier mal ein Nachtrag einige Zeit später. Bei der aktuell laufenden dritten Staffel in den USA hat The Big Bang Theory seine Quoten noch gesteigert. Bemerkenswert vor allem auch: in der Zielgruppe erreicht Big Bang Theory ein hervorragendes 5,1 Rating.

Update 15.12.09: Inzwischen sind die Quoten weiter angestiegen. 15,5 Millionen und ein 5,6er Rating bei den jungen Amerikanern. Die Qualität der Sendung ist auch weiterhin auf dem hohem Niveau geblieben. Bei den ansich ja deutlich witzigern HBO-Comedies (gegenüber den Network-Sitcoms) wie „It’s Always Sunny in Philadelphia“ oder „Curb Your Enthusiasm“ lache ich auch nicht mehr.

Update 14.01.10: Auch 2010 geht’s gut weiter für „The Big Bang Theory„. Die Quoten stiegen nochmal leicht auf 15,81 Millionen, das Rating auf 5,7.