Social Networking, Communities, Internet, Web 2.0, dass ist im Moment total hipp, vor allem wegen Twitter. Die Notlandung eines Flugzeugs im Hudson River und die Zwitscherei von Aston Kutscher (dem jungen Freund von Demi Moore – nebenbei: Flawless gucken, aktuell auf DVD) haben dem Unternehmen einen gehörigen Schub versetzt (siehe dieser Welt Online-Artikel über Twitter, via massenpublikum).

Soziales Netzwerken, virtuelle Gemeinschaften, das ist ein spannendes Thema. Ich erinnere mich noch gut, wie ich einmal mit einem, den ich Internet-Pionier nennen würde, ein (viele) Bier trinken gegangen bin. Wir haben uns über ein ganz frühes soziales Netzwerk  kennen gelernt und an dem Abend erzählte er mir von BTX, dem Fidonet, Newsgroups und diesem ganzen Kram, an den sich heute noch kaum jemand erinnert. Ich konnte stundenlang zuhören. Das hatte Spirit. Und mit Kommerz und sowas hatte das wenig zu tun. Das kam später.

Eine der wahrscheinlich ersten großen kommerziellen deutschen Communties war die des TV-Senders Giga, 1998 gegründet. 1998, da musste ich, um ins Internet zu gehen, noch zum örtlichen Karstadt um für 6 Mark die Stunde völlig ziellos mal zu schauen, was dieses Internet eigentlich ist (Meine erste besuchte Website war glaube ich die des Marvel Comic-Verlages, und ich erinnere mich an nicht mehr, als das es dort Bilder  von Spiderman gab). Giga gabs wohl damals schon. Mit Kommentarfunktion und all dem.

Und jetzt nun macht Giga dicht, und damit wohl auch die Internet-Community, zu der ich keinen großen Bezug mehr habe (bin zu alt). Ausgerechnet jetzt, wo das mit den Communities wieder grad mal im Kommen ist, ausgerechnet Giga, die solange überlebt haben, wie kaum eine andere Community.

Meedia (eine Art Bildversion von DWDL) hat heute einen (naja, es gab mindestens 2) aufgebauschten Artikel zu Giga geschrieben, in dem sie so tun, als sei der Versuch von Fans die ARD dazu zu bringen, Giga wenigstens als Sendung zu übernehmen, irgendwie realistisch. Die Giga-Fans, die Community ist derzeit mit riesigem Engagement dabei ihren Sender, ihre Community zu retten. Es zu versuchen. Die hauptsächlich jungen Fans haben viel Ahnung von manchen Dingen (zum Beispiel wie man dieses seltsame Linux benutzt), aber wer ins Forum schaut, sieht auch eine gewisse Naivität mit dem Versuch bei Medien Gehör zu finden. Dabei tun sie genau das, was eigentlich gerade up to date ist, sie vernetzen sich, bloggen, haben eine lebendige Community.

Giga ist natürlich schon immer ein kommerzielles Industriefernsehen gewesen, dass eher an spaßige PR und nur entfernt an Journalismus erinnerte, aber oft auch Charme und Authentizität hatte (etwa die Sendung „Telespiel“). Aber das ist im Bezug auf das Thema soziale Webgemeinschaft eher zweitrangig.

In Giga steckt, und das zeigen die Nutzer des Internetportals gerade jetzt, viel Potenzial. Die Leute da, das ist die Zukunft des Internets, vielleicht die zukünftigen Blogger, Twitterer, Webdesigner, Programmierer oder auch die, die all das konsumieren und dafür Geld bezahlen.

Umso verwunderlicher wäre es, wenn sich nicht wenigstens für die Website ein Investor finden sollte, die ja auch im Mai abgestellt werden soll. Da hat man die komplette Zielgruppe von heute und morgen schon beisammen. Es wäre wirklich seltsam, wenn das alles sich auflösen würde und verloren ginge. Gerade jetzt.

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