Schon mehrfach hatte ich auf diesem Blog über die menschenverachtende Episode 198 der RTL II-Doku-Soap „Frauentausch“ berichtet (siehe unten). Dort wurde eine (bereits aus anderen TV-Sendungen) bekannte Familie aus einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt derart vorgeführt, dass es zu drastischen Reaktionen kam, etwa Protesten, Bedrohungen und Sachbeschädigung. Mit den Folgen, die Reality TV haben kann, und was das über das Verhältnis von Wirklichkeit und Reality TV, genauer: dessen Rezeption, aussagt, hat sich Harald Staun von der Faz ausführlich beschäftigt:

[…] und wer sich ein wenig auskennt mit den Mechanismen des Boulevardfernsehens, dem fällt es leicht, den verletzten Lokalstolz für naiv zu halten; am Ende aber besteht diese Naivität nur darin, dass eben doch noch ein paar Menschen das Fernsehen ernst nehmen, wenn es behauptet, dass es sich bei dem Genre Reality-Doku-Soap trotz aller Schmiererei noch um die Abbildung der Wirklichkeit handelt. Wie gründlich in der Rezeption dabei die Ebenen durcheinandergeraten können, offenbart sich in den traurigen Auswüchsen, die der Protest zwischenzeitlich angenommen hatte […]

[…] Und umgekehrt erklärt vielleicht genau die Medialisierung der Familie, warum sich der Protest ihrer Mitbürger gegen die Opfer richtet, statt gegen die verantwortlichen Produzenten: Auch für die [Bewohner der Stadt] sind Yvonne und Christian längst identisch mit den Medienfiguren, zu denen sie das Fernsehen gemacht hat. […]

[…] Dass aber die Auftritte all der Akteure des Realityfernsehens überhaupt eine Fortsetzung in der Wirklichkeit haben, ist eine Konsequenz, die Zuschauer und Produzenten mittlerweile völlig ausgeblendet haben. Dabei fällt es der Rezeption nicht schwer, darüber zu erschrecken, wo das Fernsehen heute überall hinkommt. Manchmal aber fängt der Horror erst an, wenn es wieder wegfährt.

[via Stefan Niggemeier]

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