The Science of Sleep

The Science of Sleep

Im Jahr 2004 legte Regisseur Michel Gondry mit „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ (Vergiss Mein Nicht) einen überaus romantischen und poetischen Film (auch in seiner Bildsprache) vor. Jim Carrey und Kate Winslet spielen ein Paar, dass die Erinnerungen aneinander löschen lässt, dann aber in diesen Erinnerungen und Träumen wieder zueinander findet. Dabei sind die Bilder des Films so gewaltig und schön, dass man allein deshalb den Film immer wieder schauen kann.

Eine Art Nachfolgewerk aus dem Jahr 2006 ist „Sciences of Sleep“, das – und hier liegt der Unterschied zu „Vergiss Mein Nicht“ – ästhetisch anderen Regeln folgt. Die überbordende, verspielte Kulisse der Träume erinnert in ihrem Artwork eher an Michael Jacksons (misslungenen) Film „Moonwalker“ und ist wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack. Mit allerlei Alltagsmaterialien, wie Pappmasche und Folie, bunten Kostümen, Computer und Trickanimationen erschafft Gondry hier eine kunterbunte Welt, die man deuten kann, aber nicht muss. Sinn macht das vermutlich auch nur, wollte man sich mit dem Leben von Gondry selbst auseinandersetzen, basiert der Film doch vor allem auch auf seinen eigenen Kindheitserfahrungen und Growing Pains im französischen Künstler- und Hippie-Millieu.

Worum gehts: Der Mexikaner Stéphane (Geal García Bernal) kommt nach dem Tod seines Vaters auf Wunsch der Mutter nach Paris, wo ihm ein Job als Illustrator versprochen wird. Tatsächlich handelt es sich aber um einen langweiligen Bürojob bei einer Kalenderfirma. Spannender ist da die Nachbarin Stéphanie, die seine Vorliebe für verspielte, kindliche Träume, Fantasie und Magie teilt. Es entwickelt sich eine Romanze, doch Stépahne hat ein Problem: er schläft und träumt unheimlich viel, so dass er bald Realität und Traum kaum auseinanderhalten kann.

So könnte es auch dem Zuschauer gehen, der versuchen wollte, herauszufinden, was Traum und Realität ist. Doch gewollt oder gar nötig scheint solche Rätselraterei nicht, denn auch ohne dies erschließt sich die Geschichte als Collage von Traum und Realität recht problemlos. Was angenehm ist und einem ein Fest für Augen und eigene Fantasie bereiten kann. Neben Bernal (Die Reise des jungen Che, Amores Perros) ist es vor allem die ungewöhnliche Attraktivität von Charlotte Gainsbourg (bald zu sehen in Lars von Triers „Antichrist“), von der die Geschichte lebt. Mit einer andere Darstellerin, die klassischeren Schönheitsidealen entspräche oder einfach nur süß oder spröde wäre, würde der Film kaum funktionieren.

Darüber ob der Film überhaupt funktioniert, gibt es verschiedene Ansichten. So schreibt James Berardinelli (Reelviews), zwischen Anspruch und Wirklichkeit von Gondrys Absichten liegen Welten, vieles fühlt sich zu erzwungen an, um die Zuschauer wirklich fesseln zu können:

What Gondry tries to do with the dream sequences and what he succeeds in doing are different things. The film is intended to be a kind of fairy tale, with Stéphane seeking a balance between the liveliness of what transpires in his slumber and the monotony of his waking life. In movies like this, a little magical realism goes a long way, and The Science of Sleep feeds it to us long after we have begun choking on it. A lot of what transpires during the course of the film feels forced. Stéphane’s dreams, with their cardboard sets and intentionally cheesy special effects (including stop-motion animation), seem like the work of a director who’s trying to prove how clever he can be. Films like Big Fish and Gondry’s own Eternal Sunshine prove it’s possible to do this kind of story in a way that captivates audiences. The Science of Sleep misses the mark by a wide margin.

Tatsächlich ist „The Science of Sleep“ weder eine besonders clevere Kombination von Traum und Realität, noch visuell so beeindruckend, als das ein größeres Publikum hier mit offenem Mund vor der Mattscheibe säße oder gar zum Träumen angeregt würde. Dennoch hat die ungewöhnliche Inszenierung und die nette, märchenhafte Geschichte ihren Reiz. Gondry, Bernal und Gainsbourg sind zudem zu starke Argumente, als das man diesen Film ignorieren könnte.