Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in "Zeiten des Aufruhrs"

Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in "Zeiten des Aufruhrs"

The only reason we moved out here was because I got pregnant. Then we had another child to prove the first wasn’t a mistake. I mean, how long does it go on? Frank, do you actually want another child? Do you? Come on, tell me, tell me the truth Frank. Remember that? We used to live by it. And you know, what’s so good about the truth? Everyone knows what it is, however long they’ve lived without it. No one forgets the truth Frank, they just get better at lying.

Diese verzweifelte Aufforderung zur Wahrhaftigkeit richtet April (Kate Winslet) im Filmdrama „Revolutionary Road“ (deutsch: Zeiten des Aufruhrs) an ihren Mann Frank (Leonardo DiCaprio), nachdem sie zum dritten Mal schwanger geworden ist, er vor der Beförderung steht und die Pläne ein anderes Leben, als das in der Vorstadt zu führen zerbrechen.

Anne Hornaday von der Washington Post schlägt vor: „It would be interesting to watch „Revolutionary Road“ with the sound off, just to read the movie in Winslet’s face“ und Kathi Thielitz von der Zeit schreibt: „Winslet spielt die Entwicklung ihrer Rolle nicht, sie durchlebt sie.“ Kate Winslet (Titanic, der Vorleser, Vergiss Mein Nicht) hat schon oft bewiesen, dass sie eine der besten Schauspielerinnen ist, und in „Revolutionary Road“ beweist sie es wieder.

Regisseur Sam Mendes (American Beauty) verfilmte den gleichnamigen Roman des Autors Richard Yates, der das Scheitern eines auf das private Glück focusierten Ehepaares mit Träumen von einer anderen Welt als der leeren und hoffnungslosen „Idylle“ der Vorstadt, in eben dieser Kulisse erzählt. April und Frank Wheeler träumten einst von Paris, das Geld für einen Neustart ist da, doch die Flucht in ein anderes Leben mag nicht gelingen.

In der Serie „Mad Men“, die in einer ähnlichen Kulisse spielt, schießt die Ehe- und Hausfrau Betty Draper (die einst Model werden wollte, statt dessen aber depressiv wird) am Ende einer Episode auf die akribisch gezüchteten Tauben des Nachbarn. Ein symbolisches Bild für den Ausbruch aus der suburbanen Hölle, für den Betty noch keine Sprache gefunden hat.

April in „Revolutionary Road“ hat eine Sprache, ein Bewusstsein, gar einen Gegenentwurf gefunden, doch die Möglichkeit ihn zu leben besteht nicht, zumal ihr Mann sich mehr und mehr der Lüge des suburbanen Glücks hingibt, sich bald weigert diese Grenzen zu überschreiten und sich selbst und ihr einredet, doch auch hier glücklich werden zu können.

Im Gegensatz zur bitterbösen Vorstadt-Satire „American Beauty“ geht Mendes in „Revolutinary Road“ ohne Komik an den Stoff heran, konzentriert sich auf das von Demütigung, Vertrauensverlust und Verzweiflung gezeichnete Verhältnis des Ehepaares. Bald kammerspielartig zeichnet er eine Charakterstudie, die ähnlich wie „Mad Men“ für eine ganze Zeit steht. Während der Zerfall von Suburbia in Mad Men jedoch auch den Optimimus des Wandels mit sich bringt, steht die triste Festung Vorstadt hier so allmächtig, dass der Weg des Scheiterns vorgezeichnet scheint.

Als „Hofnarr von Suburbia“ (Thielitz, Die Zeit) erscheint der gerade aus der Psychatrie entlassene Sohn der Immoblilienmaklerin Mrs. Givings (Kathy Bathes), der unangenehme Wahrheiten ausspricht. Als der Traum von Paris noch besteht, findet Frank in ihm beinah schon einen emotionalen Verbündeten, der jedoch mehr und mehr zum verhassten schlechten Gewissen transformiert, gegen das sich Frank schließlich mit aller Wut zur Wehr setzt.

Anders als in Titanic, als Leonardo di Caprio und Kate Winslet die über den Tod siegende Liebe celebrierten, zerbricht diese hier an der Banalität des ausweglos erscheinenden Alltags. Cinema sieht darin eine „kluge Antithese“ zu Titanic. „Revolutionary Road“ trifft dabei allerdings nicht nur den Nerv der Zeit, in der der Roman enstanden ist, sondern widerspiegelt zeitlose Themen von Anpassung, Kleinbürgerlichkeit und ungelebten Träumen.

Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs), USA 2008, IMDB, Trailer bei Youtube, seit 15.1. im Kino

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