Vor kurzem hatte ich polemisch über die Macher hinter den primitiven Frauentauschsendungen geschrieben. Anlass war eine besonders verantwortungslose und überzogene Ausgabe des Formats, dass in vielerlei Hinsicht unbedarfte Menschen aus purer Freude am Voyeurismus zur Schau stellt.

Für die betroffene Familie hat die Sendung nun unangenehme Folgen gehabt. Während die Bewohner und der Bürgermeister der Stadt, in der die Familie lebt, sich vor allem über ein wahrgenommenes Stereotyp des ostdeutschen Provinzlers empören („fett und gefräßig“), hat die RTL II-Zielgruppe (eben jene, die aus Schadenfreude und Geilheit am Voyeurismus oder purem Hass zuschauen), der Familie offensichtlich den Krieg angesagt. Die Lokalzeitung des 15.000 Einwohner Städtchens berichtet (Hervorhebung von mir, Ortsname zensiert):

Der Frust der Bürger kanalisierte sich in den vergangenen Tagen nicht nur mehr ins Schreiben von Leserbriefen. Die Menschen rebellieren, schaukeln sich gegenseitig hoch. Erst waren es nur Buh-Rufe vor dem Wohnhaus, dann fogen schon Flaschen. Den Höhepunkt erlebte die Stadt am Mittwochabend, als sich rund 50 [Einwohner] zu einer spontanen Demonstration vor dem Haus versammelten. Es f ogen rohe Eier an die Wand. Die in der Stadt bekannte Fernsehfamilie fühlt sich bedroht. “ Es liegen Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Beleidigung vor. Wir haben bereits Tatverdächtige ermitteln können „, erklärt Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost.

Ein gutes Beispiel dafür, welche Folgen eine derart verantwortungslose Produktion wie „Frauentausch“ haben kann. Nicht zu vergessen, dass es sich bei den gezeigten Menschen nicht nur um Erwachsene, sondern auch um ein in der Familie lebendes Kind handelte. Und da frage ich gerne nochmal: Was sind das für abgebrühte Menschen, die beruflich an der Produktion einer solchen Sendung beteiligt sind und dererlei Folgen billigend in Kauf nehmen, solange die Quote stimmt?

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