Im folgenden Text, möchte ich einen der Gründe für die Krise von Big Brother beschreiben: den Vertrauensverlust in das Format und den Verlust der Nähe zu den Wünschen und Erwartungen des Zuschauers.

Big Brother ist vermutlich die meistdiskutierte deutsche TV-Sendung. Auf den drei großen Fanforen bbfun, ioff und sevenload finden sich zu jeder Staffel zehntausende Diskussionsbeiträge. Immer öfter und immer ausführlicher wird nicht nur über die Kandidaten gelästert oder die neuesten Beziehungen derer untereinander diskutiert, sondern immer öfter ist auch die Produktion selbst Thema. Die aktuellen Quoten, die Entscheidungen der Produzenten, die Art und Weise warum und wie produziert wird, das interessiert viele. Fast jeder Fan weiß, dass BB von endemol produziert wird oder das Axel Kühn auch wegen schlechter Quoten von BB bei RTL II rausgeflogen ist. Informationen die sonst eher Medienleute interessieren, weniger die Zuschauer. Bei BB ist das alles wichtig. Es ist die Metaebene, die BB offensichtlich für viele spannend macht.

Ich würde sogar behaupten, der einzige Grund BB derzeit zu schauen, ist diese Ebene. Umso unverständlicher ist es, dass RTL II/endemol viele Informationen rund um die Produktion zensiert. So dürfen die Kandidaten weder über die Kamerafreie Stunde reden (diese kann jetzt flexibel und nur einzeln genommen werden) noch über die Heizstrahler, die den Schlafcontainer der Höllenbewohner beheizen. Auch die Gespräche im Sprechzimmer sind oft tabu, auch wenn sie Einzelheiten zur Produktion betreffen. So weiß etwa niemand, ob die Kandidaten über die Gründe für die aktuellen Entwicklungen (Neukonzeptionierung, Umbau des Hauses) informiert sind, und auch nicht, ob sie bereits gestern wussten, dass sie heute morgen ausziehen mussten.

Gegen 6.30 Uhr am heutigen frühen Samstag Morgen kamen schwarz gekleidete und vermummte Männer ins Haus, um die Kandidaten unsanft zu wecken und in aller Hektik aus dem Haus in die provisorisch eingerichteten Matchräume zu scheuchen. Die Reaktion der Bewohner darauf war erschreckend nüchtern. Überrascht wirkten sie nicht. Waren sie nur müde? Oder wussten sie, was passieren wird? Und wenn ja, was genau? Das alles zerstört das Erlebnis von Big Brother (zuvorderst für die Zuschauer des offensichtlich ungeliebten Livestreams, der schon lange nicht mehr live sondern 10 Minuten verzögert und zensiert ist). Wo ist das Problem dem Zuschauer auf einer Website oder per Laufband zu sagen: Liebe Zuschauer, Big Brother baut das Haus um, gegen 6.30 Uhr werden die Bewohner geweckt. Wir haben die Bewohner darüber im Sprechzimmer informiert, dass heute am frühen morgen etwas passieren wird, jedoch nicht was. Das wisst nur ihr!

Das würde alles wieder gerade rücken. Es wäre transparenter, und eben authentischer. Es würde all die Zweifel mit einem Mal zerstören und einfach sagen: so ist es und nicht anders. Man wüsste wie die Reaktionen der Bewohner einzuschätzen sind. Die offensichtlichen Bestrebungen Big Brother vom Liveerlebnis, einem sozialen Experiment zu einer kontrollierten Dokusoap oder gar Daily Soap, wie Axel Kühn es wollte, zu verwandeln, dies ist einer der Gründe, für das Scheitern der Projektes. Mehr noch: wenn da selbst so banale Dinge wie Heizstrahler verschwiegen werden sollen, wo hört das auf?

Viele uniformierte Zuschauer halten alles im Fernsehen für einen großen Fake. Das ist nicht so schlimm, denn nicht jede TV Sendung muss authentisch sein, Survivor etwa funktioniert ganz gut, obwohl es von hinten bis vorne gescriptet zu sein scheint. Big Brother aber muss einen anderen Anspruch haben. Als am Montag Delia von den Zuschauern getrettet wurde, da gab es eigentlich keinen Grund an diesem Votum zu zweifeln. Und doch, viele Fans rufen Manipulation, Fake! Und man beginnt zu zweifeln, vielleicht stimmts ja? Der Vertrauensverlust in die Echtheit des Formats nimmt rasant zu. Im großen Bild ist das einer der Gründe für seinen Niedergang. Neben anderen natürlich.

Big Brother muss verstehen, dass die Fans nicht nur Konsumenten sind, die nichts in Frage stellen, sondern gerade die Big Brother Fans sehr kritisch sind und alles über die Metaebene wissen wollen. Viele Medien und Firmen erklären sich kontrolliert längst auf Websiten und Blogs selbst (etwa die Tagesschau). Big Brother hat diesen Vertrauensverlust, den Verlust der Nähe zu den Wünschen und Erwartungen der Zuschauer nicht nur nicht verhindert, sondern verursacht und die gesamte Metadiskussion unbedacht an die Fanforen abgegeben, wo Mutmaßungen, teilweise Dummheit, Verschwörungstheorien und Unverständnis sich die Hand reichen.