Abby Grant (Julie Graham)

Der gute Mensch: Abby Grant (Julie Graham)

Ob der Mensch außerhalb der Gesellschaft gut oder böse ist, dazu haben die politischen Philosphen unterschiedliche Ansichten gehabt. Bei Thomas Hobbes waren sie ohne die Gesellschaft Feinde, bei Rousseau machte diese sie erst schlecht.

Die Endzeit-Serie Survivors, ein Remake der BBC-Produktion von 1975 bis 77, beschäftigt sich zunächst mit dem Nachwirken der alten Zeit. Nachdem ein Virus 99,9 Prozent der Erdbevölkerung getötet hat, versuchen die Überlebenden die Gesellschaft neu zu organisieren, insofern sie überhaupt ein Interesse daran haben. In der ersten Folge sind in einem Gefängnis nur ein Wärter und ein Häftling am Leben. Für den Wärter gelten die alten Gesetze und Regeln noch: er will den Häftling weiterhin gefangen halten. Das einzige überlebende Mitglied der britischen Regierung versucht ebenfalls mit starker und harter Hand eine Gruppe Überlebender zusammenzuhalten.

Der gute Mensch ist Abby Grant, eine etwa 40jährige Frau, die mit Klugheit und Emphatie eine andere Gruppe bunt gemischter Überlebender zusammenhalten will, wenn sie nicht gerade nach ihrem Sohn sucht. Diese handeln anders als die unter striktem Regime der Ministerin lebenden Survivors von Natur aus tugendhaft, sie sind Rousseaus Menschen, die unter der Ministerin, das könnte die von Hobbes sein, im Staat. Und dann gibt es natürlich noch Outsiders, die in Hobbes Naturzustand vagabundierend, misstrauisch und feindseelig oder voller Angst leben.

Das alles ist interessant. Aber Survivors ist auch eine überdurchschnittliche und unterhaltsame Serie. Sie ist ein wenig vorhersehbar und arg auf ein gutes Menschenbild getrimmt, und sie bildet politisch korrekt natürlich alle Ethnien der britischen Gesellschaft ab. Farbige, Muslims, Weiße. Handwerklich ist Survivors ebenfalls über alle Zweifel erhaben. Gut gefilmt und kurzweilig geschrieben, für Endzeit-Fans auf jeden Fall ein Tipp.

Survivors (Remake), seit 23. November 2008, BBC (UK)