Auch Zombies schauen Big Brother

Auch Zombies schauen Big Brother

Wenn eine Apokalypse kommt, wenn Zombies überall auf der Welt nach Lebenden zum Auffressen suchen, was wäre der geeignetere Ort um sich zu verstecken, als das Big Brother Haus? Zugegeben die Prämisse von E4s kleiner Halloween-Miniserie aus der vergangenen Woche klingt für Leute, die wenig mit Fernsehen am Hut haben echt trashig: Big Brother meets Day of the Dead. Doch Dead Set ist alles andere das.

In Charlie Brookers „Dead Set“ tauchen aus einem nicht näher bekanntem Grund überall auf der Welt Zombies auf. Die Protagonisten des Films, die sich der Survival-Horror Geschichte aussetzen müssen, verschanzen sich im britischen Big Brother-Haus und versuchen zu überleben, während der Livestream der Show in den wohl noch funktionierenden Rundfunknetzen weiterläuft. Die ganze Geschichte beginnt als kleine Mediensatire: die typische übergeigte Off-Stimme des britischen Big Brother Erzählers beschreibt das Geschehen im Haus, es ist Eviction Night. Hinter den Kulissen ist der zynisch-böse Producer Patrick in Normalform, das heißt in Rage, schimpfend, genervt und voller Verachtung für seine Mitarbeiter wie auch die Hausbewohner. Zu allem Überfluß ist draußen in England das Chaos ausgebrochen, was bedeuten könnte, dass die Sendung zu Gunsten der Nachrichten gecancelt wird. Während Big Brother-Fans in der ersten halben Stunde mit ein paar wirklich lustigen und ironischen Gags rund um das TV Format versorgt werden, greifen die ersten, dann viele Zombies die Produktion an. Am Ende der ersten Folge bleiben vier Protagonisten(gruppen) übrig: Mitarbeiterin Kelly, versteckt in einem Büro, Produzent Patrick und die von ihm meistgehasste Kandidatin in einem anderen Teil des Gebäudes, außerhalb Kellys Freund und natürlich die Big Brother Bewohner im Haus, die noch nicht wissen, das draußen grad die Welt untergeht. Ab da wird die fünfteilige Miniserie zu einem überdurchschnittlichen guten Zombie-Splatter-Film, der den großen Kinoproduktionen von Day of the Dead bis Shaun of the Dead in nichts nachsteht. Blut, Gedärm, Spannung und Gruppendynamik inklusive. „Dead Set ist radikal, böse, originell und schafft es tatsächlich besser zu sein, als die meisten ernstehaften Zombiefilme der letzten Jahre“, schreiben die 5 Filmfreunde bzw. nerdcore.

Dead Set ist nicht nur ein kleines, geniales Stück Fernsehen bzw. Film, es trifft auch den Zeitgeist absolut. Das Big Brother Setting ist grandios und natürlich bestens geeignet für einen solche Horrorstorie, da jeder sofort in der Dynamik der Gruppe drin ist, weil man eben aus der TV Serie weiß, wie sowas funktioniert. Das haus selbst bietet eine gelungene Kulisse für gruselige Momente. Times Online schreibt dazu:

As her realistically ravaged gizzard attests, the production values are high. The opening episode is handsomely shot, slickly edited, darkly funny – and genuinely scary. Many of the trappings of the house lend themselves well to horror, such as the one-way mirrors in which housemates stare gormlessly at their own reflections, oblivious to the zombies slavering on the other side of the glass

Das britische Big Brother Haus wurde für die Serie originalgetreu nachgebaut, inklusive Diary Room und allem drum und dran. Einige in England bekannte Big Brother Sternchen tauchen (als Zombies) selbst auf. Den schönsten Cameo-Auftritt hat allerdings die echte Big Brother Moderatorin Davina McCall, die sich zunächst selbst spielt und dann als Zombie eine gute Figur macht. Einige Szenen wurden sogar während einer echten Eviction Night gedreht. Endemol hat der Dead Set-Produzenten da zum Glück freie Hand gegeben, obwohl die Sicht auf die Show durch und durch ironisch ist. So muss das sein.

Dead Set, Großbritannien, E4, 27. bis 31. Oktober 2008, auf DVD erhältlich (UK Import)

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