Die RTL Dokusoap „Bauer sucht Frau“ bleibt weiterhin ein Quotenwunder. In der Zielgruppe kam Bauer sucht Frau an diesem Montag mit 3,42 Millionen Zuschauern auf 25,5 Prozent Marktanteil. Und auch beim Gesamtpublikum schnitt die Kuppelshow mit 7,61 Millionen Zuschauern bzw. 24,6 Prozent Marktanteil gut ab (Quotenmeter). Die bislang höchste Quote erreicht die Serie wikipedia zufolge am 17. Dezember vergangenen Jahres mit der Finalshow der dritten Staffel. Damals sahen 8,45 Millionen Zuschauer zu, was einem Marktanteil von 29,5 Prozent entsprach.

Wer die aktuelle Staffel schaut, wird festgestellt haben, dass der Fremdschämfaktor in der Besetzung der Sendungen allmählich zurückgegangen ist. Noch im vergangenen Jahre hatte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner die Show als Beleidigung der deutschen Bauern bezeichnet. Er bemängelte vor allem, dass die Bauern als Trottel dargestellt würden, die nicht wissen, wie sie sich benehmen sollen. Eine komplette Berufsgruppe würde der Lächerlichkeit preisgegeben.

Vor kurzem zeigte RTL im Anschluß an „Bauer sucht Frau“ im Boulevardmagazin Extra einen Bericht darüber, wie Bauer sucht Frau in anderen Ländern aussieht. Dabei ist mir aufgefallen, dass in manchen Ländern die Bauern gar keine solchen Tölpel sind, sondern vielmehr den Eindruck normaler Menschen machen. Das ist das Erfolgsrezept von Bauer sucht Frau. Anders als in Doku-Soaps wie „Frauentausch“ dient die Bauershow weniger dazu, sich auf gerade zynische Weise über einfache Menschen lustig zu machen oder sich an ihrem Schicksal zu ergötzen. „Bauer sucht Frau“ geht sehr herzlich mit seinen Kandidaten um, was seine Personifizierung in Inka Bause findet. Aber auch wiederum anders als in Hilfesendungen wie „Einsatz in vier Wänden“ (selbe Produktionsfirma) zeigt Bauer sucht Frau auch niemanden, mit dem man Mitleid haben muss, sondern Leute, denen es gut geht. Eva Marz von der Süddeutschen hat dazu folgendes geschrieben:

Die Idee und das Aussehen der gesellschaftlichen Mitte sind bei „Bauer sucht Frau“ wichtig. Und die Sendung bricht mit einer weiteren Konvention, indem sie Schicksal und Leben dieser Mitte als keineswegs deprimierend darstellt. Niemand wird hämisch bloßgestellt, und nie war man weiter entfernt von der alten Kritik am Kleinbürgerlichen als hier. Stattdessen taucht der Zuschauer von „Bauer sucht Frau“ ein in eine freundliche Welt.

Man kann sogar sagen, dass „Bauer sucht Frau“ auf Identifikation statt Häme setzt, was meiner Ansicht nach ein wichtiger Faktor für funktionierendes Reality-TV ist. In amerikanischen Realities wie „Survivor“ oder „Amazing Race“ (beide CBS) funktioniert Identifikation ähnlich, die Kandidaten bilden dort sogar ein breites, wenn auch klischeehaftes Bevölkerungsspektrum ab. Die sonnengebräunten und gut gebauten Blondinnen sind da nur ein Kandidatenpaar unter vielen, neben Rentnern, Schwulen, Vater und Sohn usw. . (Beim amerikanischen Bauer sucht Frau findet sich dann aber doch wieder die gutaussehende Unterschicht). Beim deutschen Bauer sucht Frau sind es die bodenständigen, kleinbürgerlichen, die gezeigt werden und mit denen sich diesselben wohl identifizieren können, dies tritt anstelle des langsam überholten „Guck mal wie assi die sind“ oder „Was für krasse Typen“.

Mit Schäfer Heinrich ist eigentlich nur noch ein skuriler Typ im Ensemble. Der aber hat das Rampenlicht und die damit verbundene Diskussion um seine skurile Person offensichtlich gezielt gesucht und nutzt sieht. Jetzt will er sogar eine eigene CD aufnehmen, mit seinem Schäferlied. Alle anderen sind erfrischend normal. Und darin liegt eben der Erfolg. „Bauer sucht Frau“ ist genauso wie „Rach der Restauranttester“ ein gutes Beispiel dafür wie man Reality aus der Schmuddelecke holen kann und das Gesamtpublikum erfolgreich erreicht.