Garage

Garage

Die Reaktionen die das kleine irische Drama „Garage“ bei mir ausgelöst hat, waren ungewöhnlich. Obgleich die Geschichte sehr traurig ist, bleibt man weniger für den Moment ergriffen zurück, eher ist es ein unwohles, schwellendes Gefühl der Traurigkeit, das länger andauert. Das allerdings passt gut zum Hauptcharakter des Films, dem geistig und emotional zurückgebliebenen Tankstellenwart Josie.

Irgendwo in Irland, in irgendeinem kleinen Dorf, in dem es bezeichnenderweise kaum Verkehr gibt, betreibt Josie eine Tankstelle, in der er – spartanisch eingerichtet – auch wohnt. Kunden hat er fast keine, seinen Arbeitsalltag füllt er mit offensichtlich redundanten Nichtigkeiten. In der Dorfgemeinschaft ist er toleriert, wird von ein paar Hinterwäldlern in der Kneipe auchmal geärgert, von anderen nett, wenn auch bevormundend behandelt.

Die eigentliche Geschichte des Films beginnt damit, dass Josie von seinem früheren Schulkameraden und jetzigem Chef eine Aushilfe für die Wochenenden zur Seite gestellt bekommt, den 15-jährigen David, der selbst auch ein Außenseiter zu sein scheint. Die beiden freunden sich irgendwie an, doch das führt gegen Ende des Films zu ungewollten Problemen, die zu einer tragischen Wendung der Geschichte führen.

Einer der großen Stärken des Films sind die Schauspieler, vornehmlich natürlich Pat Shortt als Josie. Mit einem authentischen und akuratem Spiel gelingt es ihm, dem ansich ja emotionsarmen Josie soviel Persönlichkeit und Gefühl einzuhauchen, dass zwischen ihm und dem Zuschauer eine starke emotionale Bindung entstehen muss, was für Ausgang und Wirkung des Films ungemein wichtig ist.

Weniger als die Kritik an der Bigotterie der Provinz steht das Leben und Erfahren von Josie im Mittelpunkt des Films, das ohne herablassend oder moralisch belehrend zu wirken, in kleinen, ausdrucksstarken Szenen und Bildern vermittelt wird. So hat Josie durchaus ein Auge für kleine Details in der Schönheit des Natur, bringt einem Pferd auf dem Heimweg von der Stadt Äpfel mit, oder spendet einem trauerndem alten Mann allein durch seine unaufdringliche Gesellschaft Trost. Das Pferd übrigens ist eines der starken Motive des Films. Und als Josie (Vorsicht Spoiler) am Ende des Films von der Gemeinschaft verstoßen wird, ist jenes Pferd auf der Koppel plötzlich angebunden (was es vorher nie war). Doch Josie steigt über das Gatter und füttert wie gewohnt, das Pferd. Dererlei kleine, einfache Szenen entfalten in „Garage“ eine unglaublich unkitschig berührende Wirkung. Ganz, ganz stark. So gibt es auch eine weitere Szene, in der Josie und David an einem See sind, David einschläft, Josie seine Jacke als Decke über ihn legt und dann ans Ufer geht. Die Kamera geht auf die schlaff herabhängenden Hände Josies, Schnitt, dann ist es hell, selbe Einstellung, Josie beugt sich herab, um sich das Gesicht zu waschen. Es ist, als hätte er die ganze Nacht reg- und regungslos dort gestanden, geduldig wartend, dass David erwacht. Stark.

Garage ist ein lohnenswertes berührendes Drama, das im Gegensatz zu anderen Filmen über „einfache“ Menschen (etwa das skandinavische Elling) weniger auf Wohlfühlen aus ist, aber einen authentischen, mitunter poetischen Blick auf einen Außenseiter wirft.

Garage, Irland, 2007, IMDB, auf DVD erhältlich (UK Import), Film-Trailer bei Youtube