Crash

Crash

Die Kritiken des vielleicht interessantesten Serienneustarts in den USA sind veheerend. Es geht um „Crash“, nach dem gleichnamigen Film (in Deutschland L.A. Crash, 3 Oscars), ein Episodendrama über Menschen, ihre Geschichten und wie sie ineinander „crashen“, also irgendwie miteinander verbunden sind, und zur selben Zeit auch gerade nicht, da Vorurteile, Klischees und Kommunikationsmängel ein Übereinkommen verhindern.

Die Serie Crash funktioniert, oder besser: soll genauso funktionieren wie eben auch der Film. Sie läuft seit dem 17. Oktober auf dem amerikanischen Pay-TV Sender Starz, der mit einer eigenproduzierten Serie versucht, an den Erfolg von ähnlichen Shows auf den Konkurrenten HBO und Showtime anzuschließen. Ob das wirklich ein Erfolg wird, darf bezweifelt werden, zu sehr liegen die auf dem Papier interessante Geschichte (die es im Film ja durchaus auch war) und die in Bilder und Schauspiel gepackte Realität auseinander. Crash ist noch mehr voller Klischees und abgestandener Charaktere, als es der Film schon war. Kaum neues und interessantes ist in den Episoden zu finden. Entsprechend hat auch die Kritik reagiert:

Not surprisingly, as a TV series, “Crash” (…) is also somewhat reliant on clichés. The show clearly wants to say something complicated about race and class in Los Angeles, but a number of the situations and characters on the show feel like situations and people we’ve seen before (…). (Maureen Ryan, Chicago Tribune)

The up side: An uber-story reveals itself slowly and dramatically, as more and more of the pieces of the puzzle lock together. The down side: We might not care about any of the subplots, if they don’t get enough screen time to open up and breathe. With „Crash,“ the down side dominates, as none of the stories or characters is remotely interesting. (Matthew Gilbert, Boston Globe)

Die Geschichten in Crash sind, mit einer Ausnahme, abgestanden und öde. Da geht es zum Beispiel um einen Polizisten, der nebenbei Aufträge für die Mafia ausführt, einen Mafia-Aussteiger, der das natürlich nicht so ohne weiteres schafft, einen weiteren (Macho)Polizisten, der sich mit einer (vermutlich) Mafiabraut einlässt oder um ein Ehepaar, das den kranken und mürrischen Vater bei sich aufnimmt (was diese Story soll, steht noch in den Sternen).

Die Ausnahme ist die durchaus unterhaltsame Geschichte des Plattenmillionärs Ben Cendars (gespielt von Dennis Hopper), der zwischen Wahsinn, kolerischen Anfällen und dem Bedürfnis nach Familie hin- und herschwankt, sowie dessen farbigen Chauffeurs und eines depressiven Leibarztes (und Liebhabers?). Aber auch hier: Eine Szene, in der falsch gebratene Rühereier etwas über die Beziehungen der Personen aussagen soll, ist einfach nur peinlich und lächerlich. Und so geht es die ganze Zeit: Alles, was eigentlich gut sein könnte, wirkt oberflächlich, daneben und albern. Crash versucht zu sehr etwas zu sein, was der Film halbwegs geschafft hat, versucht zu sehr, wichtige Geschichten zu erzählen und verliert sich dabei in Mittelmäßigkeit. Schade. Aber dennoch: das Grundthema ist so interessant, dass ein Blick lohnen kann.