4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage

4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage

„Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage“ erzählt von einer jungen Frau, die sich in Ceausescus Rumänien der späten 80er für eine Abtreibung entscheiden muss. Abtreibungen waren im kommunistischen Rumänien verboten, viele Frauen starben beim Versuch diese illegal durchzuführen.

Die junge Frau ist Gabita, die sich noch in der Ausbildung befindet und ungewollt schwanger geworden ist. Freundin Otilia soll bei der Suche nach einem geeigneten Arzt, der Geldbeschaffung und dem richtigen Ort für den illegalen Schwangerschaftsabbruch helfen. Dies alles klappt nicht so Recht, der sogenannte „Herr Bebe“ stellt sich nicht gerade als besonders vertrauenswürdiger Arzt heraus, zwingt Gabita zum Sex, da ihm die Bezahlung nicht ausreicht und das Hotelzimmer ist alles andere als luxuriös. Darüber entsteht ein Streit der beiden Freundinnen, der zum eigentlichen Spannungshöhepunkt des Filmes führt: Wird Gabita die Folgen der primitiv durchgeführten Abtreibung alleine überstehen, nachdem Otilia im Streit das Hotel verlassen hat?

Die düstere und beklemmende Atmosphäre, die der rumänische Regisseur Cristian Mungiu inszeniert und die psychologische Tiefe der Darstellung sorgt für unangenehme Gefühle beim Zuschauer, was in diesem Fall ein Qualitätsmerkmal ist. Herausstechend ist hier die längere kammerspielartige Szene im Hotelzimmer mit Gabita, Herrn Bebe und Otilia, die bedrückend die Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit der Situation zeigt.

Aus rumänischer Sicht mag das Abtreibungsthema ein sehr dominates Thema im Film sein, jedoch ist Mungius Film viel mehr als das. Ich habe vorher noch nie gesehen, mit wie viel Gespür für kleine bezeichnende Details es jemandem gelungen ist, die Enge des kommunistischen Staates, die Bedrohung der persönlichen Freiheit im ehemaligen Ostblock darzustellen. Hier sieht man es. Das beginnt schon mit dem kleinen, dichten Studentenwohnheim zum Auftakt, der angedeuten Gefährlichkeit des Unterfangens, während Otilia bei den Vorbereitungen ist und kulminiert schließlich im Hotelzimmer. Und auch als Otilia auf einer Familienfeier ist, und man die ins Private zurückgezogenen bürgerlichen Familienmitglieder in der Wohnung essen, trinken und reden sieht, fühlt man sich schier erdrückt von der Enge dieser Situation.

Es ist der ganz große Verdienst des Filmes ohne überhaupt auf Politik und den gesellschaftlichen Überbau einzugehen, all das darzustellen, was der real existierenden Sozialismus für den einzelnen an Bedrohung und Unerträglichkeit im Alltag darstellte. Etwas, das dem plakativ auf Flüchtlingsheroisierung oder ostalgisch verklärter Komik ausgerichtetem deutschen Film bislang noch selten gelungen ist (und auch „Das Leben der Anderen“ betrifft ja eher die Elite; in eine ähnliche Kerbe schlägt allerdings der ganz anders ausgerichtete „Paul und Paula“).

Mungui ist im an Highlights ohnehin nicht mehr armen osteuropäischen Kino mit „4 Monate…“ ein ganz wichtiger Film gelungen, der nicht nur filmisch in der ersten Liga spielt, sondern in seiner Bedeutung seinesgleichen sucht

Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage, Rumänien 2007, IMDB, auf DVD erhältlich, Film-Trailer bei Youtube