Als Michael Hanneke 1997 den Film „Funny Games“ mit dem großartigen Ulrich Mühe und der nicht weniger großartigen Susanne Lothar vorlegte, reagierte er auf eine ganz bestimmte Art von Filmen: „Das Mainstream-Kino entrealisiert, überdreht oder ironisiert Gewalt. „Pulp Fiction“ ist dafür ein Musterbeispiel. Wenn da der Kopf weggeblasen wird, herrscht ein Riesengelächter im Saal. Das ist perfekt gemachter Zynismus im Dienste der Verkaufbarkeit“, sagte er im Mai 2008 in einem Interview mit dem Tagesspiegel anlässlich seines Remakes von Funny Games mit dem Zusatz „U.S.“.
In Funny Games wird ein Ehepaar und deren Sohn scheinbar ohne Grund von zwei Männern im eigenen Haus zur Geisel gemacht und malträtiert. Hannekes Ziel war es entsprechend seiner obigen Kritik, die Banalisierung der Gewalt vorzuführen, deren Ziel es im Grunde nur ist, den Zuschauer zu unterhalten, mehr noch: das Leiden der Opfer in solchen Filmen findet nur statt, weil es der Zuschauer so will. Die direkte Ansprache des Zuschauers durch die Gewalttäter nach dem Motto „Das wollt ihr doch sehen“, verdeutlicht diese ironische Komponente.
2008 wirkt Funny Games vor allem in seiner Neuauflage allerdings altbacken; „anachronistisch“ meint Andreas Busche von der tageszeitung (taz), denn, schreibt Busche „2008 hat sich das Kino längst von der Inszenierungswucht der Realität abhängen lassen.“

Zum deutschen Start der „Serienmörder tötet Serienmörder“-Serie „Dexter auf RTL II hat Stefan Niggemeier eine ganz andere Art der Gewaltkritik gefunden. In Dexter nämlich erkennt er eine „abstoßende politische Botschaft“: „Sie erklärt nicht nur – wieder einmal – den Rechtsstaat für lästigen Ballast, der Gerechtigkeit verhindert statt ermöglicht. Sie geht auch, ohne großes Tamtam, davon aus, dass es Menschen gibt, die den Tod verdient haben, Menschen, die nicht als Menschen zu behandeln sind.“ Es geht also anders als bei Hanneke nicht um Voyeurimus oder Komplizenschaft des Zuschauers, sondern um die Darstellung von Gewalt als nützlich, sinnvoll oder gerechtfertigt.

In beiden Fällen, besonders aber bei Niggemeiers Kritik, darf man jedoch nicht vergessen, dass reale wie mediale Gewalt auch karthatische Effekte haben kann, dass also das Ausleben (etwa im Sport) oder Anschauen (Film) oder virtuell aktive Entscheiden für eine gewaltsame Reaktion (Videospiele) Erleichterung in Genugtuung verschaffen kann.
In diesem Zusammenhang muss man auch den Jodie Foster-Film „Die Fremde in Dir“ sehen, in der die Frauenfigur Erica Bain nach der Ermordung ihres Freundes bei einem Raubüberfall zunächst offensichtlich die Nähe zu ähnlich gefährlichen Situationen sucht, um schließlich als Rachengel jene zu bestrafen, vor der sie scheinbar Polizei und Staat nicht mehr schützen können. Letztlich wird selbst der Polizist, der in ihrem Fall ermittelt, zum Mittäter. Der Film sagt, und hier sind wir dann wieder bei Dexter, nichts darüber aus, ob Erica falsch gehandelt hat, er heißt ihr Handeln nicht zwingend gut, aber das Gegenteil tut er auch nicht.

Diese Erica Bain, dieser Dexter Morgan, sie stecken in jedem von uns. Man muss schon ein sehr idealistisches Menschenbild haben, um nicht vielleicht auch zu glauben, dass es neben den schlimmen Kindheiten, den verhinderten Bildungs- und Aufstiegschancen, der gesellschaftlichen Ausgrenzung und den hilflos-agressiven Reaktionen darauf nicht auch einfach „das Böse“ im Menschen gibt?

Darauf reagiert Fernsehen, aber vielleicht verhindert es so auch gesellschaftlichen Wandel.