Sat.1 setzt am Mittwoch konsequent auf Sozialreportagen. Bereits im August hatte man mit „Gnadenlos Gerecht“ Jagd auf Hatz IV Betrüger gemacht, was vielen dann doch etwas zu einseitig vorkam. Es war das vielbeschworene Bild der unwürdigen Armen, denen staatliches Geld ja nicht zustehe, da sie faul sind, und Betrüger obendrein. Nun zeigt Sat.1 konsequent auch die andere Seite, was aber nichts am schiefen Bild ändert. „Geheime Helfer“ rückt nichts grade, sondern verstärkt die Trennung in würdige und unwürdige Arme. Diesmal sind es die würdigen Armen, die ehrenamtlich arbeiten und das wenige, das sie haben noch teilen.

Vorbild der Sat.1 Doku ist augenscheinlich „The Secret Millionaire“ , eine Reality Doku auf dem britischen Channel 4, die 2007 den Rose d’Or award als besten Reality Programm gewonnen hat. Wirtschaftlich erfolgreiche Menschen begeben sich undercover in die Unterschicht, um letztlich denen, die es ihrer Meinung nach verdienen, Geld oder sontiges zu schenken.

Die deutsche Version ist trist in ihren Bildern. Sie sind herbstlich grau, wie ein verregneter Herbsttag in Gelsenkirchen, das die Kulisse für die erste Episode bildet. Die Musik wurde offensichtlich hauptsächlich der Melodie nach ausgewählt. Perfect Day und Karma Police sind an den entsprechenden Stellen nicht zwingend passend.

Und so geht es: Der unterkühlt und introvertiert wirkende Unternehmer Christoph Kleuters macht als angeblich arbeitsloser Buchhalter Bekanntschaft mit der Hartz VI-Familie Hribernigg . Welt Online fragt zu Recht: Wer hilft hier wem? Unternehmer Kleuters, so machen uns zumindest die Autoren und die Menschenkenntnis der Familienmutter glauben bekommt nämlich auch etwas geschenkt: die Dankbarkeit, die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Gelsenkirchener Familie, die ihm sichtlich gut tut. Im Gegenzug sind einige der Sorgen der Hriberniggs nun Vergangenheit: Vaters ehrenamtliche Stelle ist gesichert, der Sohn macht eine Ausbildung bei Kleuters Firma und alle fahren noch zusammen in den Urlaub.

Die Sendung ist nicht sonderlich spannend und wäre vermutlich im Nachmittagsprogramm des Senders anstelle von Gerichtsshows besser aufgehoben, zu wenig gibt man sich Mühe, das Format zumindest optisch auf Primetime zu polieren. Die natürlichen und authentischen Bilder sind erdrückend und alles andere als ein Publikumsfänger.

Alles in allem, ähnelt „Geheime Helfer“ allen anderen Helfer-Soaps im Fernsehen, sieht nur viel trauriger und öder aus, verzichtet aber weitgehend auf die redundante Aneinanderreihung von Szenen und Kommentaren, die die Szenen nochmal beschreiben. Gnadenlos auf Happy End getrimmt, lässt „Geheime Helfer“ den Zuschauer weitgehend unbeeindruckt zurück.

Geheime Helfer, seit 24. September 2008, Sat.1