“The Apprentice”, also der Lehrling, ist ein tolles Reality-Format. Es zeigt in der Regel Leute, die wohl oder übel überzeugt von sich sein müssen, schließlich wollen sie Donald Trump beweisen, dass sie Gespür für Geschäft haben. Viel Fassade, wenig dahinter, ist der eine Teil der Show, zur Schau getragene (amerikanische) Werte, wie Unternehmertum, Anstand, Respekt oder Wohltätigkeit der andere. Besonders interessant wird es, wenn, so wie Anfang des Jahres geschehen, Prominente gegeneinander antreten. Mit Piers Morgan (America’s/Britain’s Got Talent), Lennox Lewis (Boxer), Gene Simmons (Kiss) oder Vincent Pastore (Die Sopranos), war die siebte Ausgabe der Business-Show hervorragend besetzt.

Wirklich große Geschäfte mussten die Promis zwar nicht machen, meistens kam es darauf an möglichst viele Bekannte zum Spenden zu überreden, aber das eigentliche Highlight der Serie sind ja auch die Beziehungen untereinander, sowie der scheinbar nie an Reiz verlierende Dialog (oder das Verhör) mit Donald Trump am Ende, der in der Regel flankiert wird von seinen mehr oder weniger schillernden Kindern Ivanka und Trump Jr., die nicht wirklich etwas zu sagen haben. Auch das, für sich genommen, ist schon alleine ein Grund einzuschalten.

Die Trump-Show ist so verlogen, wie es auch die amerikanische Realtität ist, vordergründig freundlich und um Werte bemüht, aber doch letztlich enthüllend. Nicht nur, dass Trump unfreiwillig ein peinliches Bild abgibt, wenn er seinen Nachwuchs um Rat fragt, der aber keinen hat, auch das wohltätige Ansinnen der Serie ist eher aufgesetzt. Die jeweils 20.000 Dollar für die Charity des jeweils siegenden Teamchefs sind eher Peanuts, der PR-Effekt für die in der Serie vorkommenden Unternehmen wie Kodak, QVC oder Pedigree dürfte höher sein. Mitunter handelt es sich um eine 45 Minütige Werbesendung, die an Skurilität nicht zu übertreffend ist, als Trump begeistert feststellt, dass der 59 Dollar-Aku-Staubsauger von QVC auch Stecknadel aufsaugen kann (”Sowas hab ich noch nie gesehen”).

Tito Ortez, ebenfalls Boxer, ist sich ebensowenig nicht zu schade, mit seiner Pornofreundin durch den Central Park zu kutschieren, findet aber keine Worte bei der Präsentation eines Badezusatzes mit Joghurt. Alec Baldwins aufgequollener Bruder, Steven, blamiert sich im Wesentlichen damit, dass er außer seinem Bruder scheinbar niemanden kennt, der auch nur annähernd berühmt ist. Selbst seiner Mutter muss er am Telefon erstmal erklären, wer er eigentlich ist. Nicht viel besser geht es Country Star Trace Adkins, als er vom Manager der Backstreat Boys gefragt wird: “Was ist eine Funktion?”. Omarosa, selbst schonmal Teilnehmer in einer früheren Staffel, hat das selbe Problem, und verfolgt daher vor allem ein Ziel: Pierce Morgan beleidigen. Fast schon dem Wahsinn verfallen, wirft sie ihm in einer Folge vor, dass ein anderer Mann seine Kinder erzieht, und außerdem sei er homosexuell.

Trotz alldem, oder gerade deswegen ist es wunderbare Unterhaltung. Insbesondere eben am Ende, wenn hochdramatisch ermittelt, wer denn jetzt gefeuert werden soll. “Wenn Du ich wärst, wen würdest Du feuern?” lautet die redundante Frage Trumps an jedes Mitglied des Verlierer-Teams. Und wenn die Entscheidung steht: “XY, Du bist ein toller Mensch, aber entschuldige: Du bist gefeuert”. Meistens darf Ivanka dann nochmal bestätigen, dass XY ein wirklich toller Mensch ist.

Hinter die Fassaden der schillernden Prominenz zu blicken, das ist wohl ein Format, dass nie an Faszination verlieren wird. Der Versuch sich selbst zu präsentieren, obwohl man im Vergleich zu anderen Menschen sich eigentlich nur durch Prominenz auszeichnet, und sei es auch nur, weil der Bruder berühmt ist, der Hang, Gutes zu tun, und darüber zu reden, und der ständige Balanceakt zwischen gespielten Respekt voreinander, bis man dem anderen ein Messer in den Rücken rammen kann, das ist der Stoff aus dem solches Fernsehen gemacht sein muss. Es ist gelungen.

The Apprentice, Season 7, 3. Januar – 27. März 2008, NBC