Anders als in der vergangenen Woche auf RTL mit der Prager Botschaft ist es den Beteiligten bei der ARD mit „Die Frau vom Checkpoint Charly“ gelungen, eine realistischen und spannenden Beitrag zum alljährlichen Oktoberthema „DDR“ zu leisten. Es ist die wahre Geschichte einer Mutter aus Erfurt, die auf der Flucht in den Westen verhaftet und von ihren beiden Töchtern getrennt wird, die die Schicksale vieler DDR-Dissendenten und dem moralischen Unrecht, das ihnen widerfuhr in den Mittelpunkt rückt.

Die DDR als Unrechtsstaat, es ist die offizielle Geschichtsdeutung durch den neuen gesamtdeutschen Staat. Über 15.000 Seiten hat eine Enquete-Kommission zu den Verbrechen der DDR-Diktatur aufgeschrieben und damit die offizielle Geschichtsdeutung vorgegeben, die eben die Unrechtsstaatlichkeit und Repressivität der DDR als wesentliches Merkmal in den Mittelpunkt rückt.

Diese Problemlage erkennt auch Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer in der anschließenden Diskussionsrunde bei Anne Will: „Wer das machte, musste auch wissen, was er sich eventuell zumutet“, entfährt Schorlemmer Überraschendes über die vermeintliche Rechtsstaatlichkeit der DDR, während Flüchtling Jutta Gallus-Fleck neben ihm sitzt. Selber Schuld sozusagen. Er plädiert jedoch richtigerweise aber an falscher Stelle dafür, den Blick nicht auf die Verbrechen des DDR-Regimes zu verengen. Gedanken, die PDS-Politikerin Petra Pau sich nicht traut zu sagen. Sie beschränkt sich lieber auf Selbstverleugnung – Motto: Ich hab davon nix gewusst.

Unterm Strich jedoch ist es dann Veronica Ferres, die im Film die der realen Jutta Gallus-Fleck nachempfundene Sara Bender spielt, die die richtigen Worten für das Schicksal von Gallus-Fleck und die Divergenz zwischen den DDR-Verbrechen, der abweichenden Lebenswirklichkeit vieler DDR-Bürger und die Wahrnehmung der DDR-Diktatur seinerzeit durch den Westen findet.

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