In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) hat RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados ein paar interessante Dinge über den Journalismus und ihre Arbeit gesagt:

Über ihre Arbeit in Krisengebieten:

Man sollte sich als Journalist nicht so ernst nehmen. Ich finde, dieser Beruf ist ein Riesenprivileg. Ich kann überhaupt nicht klagen. Wir kommen in Situationen, da sterben Leute, Familien werden zerrissen, aber wir sind privilegiert, weil wir wissen, dass wir nach ein paar Wochen wieder wegfahren. Wir leben in einer wunderbaren Welt… Es ist ein ungeheures Privileg, dass Sie als Reporterin einfach in eine Stadt fahren und vom Bettler bis zum Präsidenten jeden befragen können.

Über Zeitungen:

Seit ich sieben bin, lese ich Zeitungen. Ich habe als Kind angefangen, Zeitungen zu lesen und nie aufgehört. Der Journalismus ist für mich keine Droge, aber Zeitung lesen ist beinahe eine Droge.

Über Distanz und Meinung:

Wenn man die Distanz aufgibt, muss man sie als Mensch aufgeben, aber nicht vor der Kamera. Wenn ich also irgendwo eine Frau sehe, die leidet, dann helfe ich ihr, aber ich werde mich hüten, einen Bericht darüber zu machen, wie ich jemandem helfe. […] Er [der Zuschauer] hat auch ein Recht darauf, eine Meinung zu hören, die nicht die des Reporters ist. Und er hat auch ein Recht darauf zu sagen, die Meinung des Reporters interessiert mich nicht. Wer sind wir? […] Das schönste Kompliment, das ich aus meiner eigenen Redaktion bekommen habe, war, als mich jemand nach dem Irak-Krieg fragte: Antonia, warst du jetzt für den Krieg oder dagegen? Es ist wichtig, dass man die eigene Meinung nicht permanent serviert, dass man den intellektuellen Versuch macht, herauszufinden: Welche Argumente sprechen gegen das, was ich für richtig halte? Das führt manchmal dazu, dass ich die andere Meinung mehr berücksichtige als meine eigene.

Besonders ihren Ausführungen über Distanz und Meinung kann ich zu 100 Prozent zustimmen.

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