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Andre Braugher, Ray Romano und Scott Bakula spielen drei Männer gewissen Alters, die seit ihrer Jugend Freunde sind. Foto: Newsroom, via Picapp

“Men of a Certain Age” war in der vergangenen Woche der erfolgreichste Kabel-Neustart einer Serie in diesem Jahr 2009 bei den jungen Erwachsenen. 5,4 Millionen Zuschauer sahen insgesamt zu. Ob das so bleibt, kann man durchaus bezweifeln, denn mehr als mittelmäßig war die erste Episode der Dramedy nicht.

Publikumsmagnet dürften vor allem die beiden TV Stars Ray Romano und Scott Bakula gewesen sein. Romano wurde mit “Allen lieben Raymond” (in Deutschland derzeit noch auf Comedy Central zu sehen) berühmt. Und Scott Bakula ist natürlich sowohl bekannt aus “Zurück in die Vergangenheit” (Quantum Leap) als auch als Captain in “Enterprise“.

Dritter im Bunde ist der hierzulande eher unbekannte Andre Braugher. Zusammen sind sie Joe, Terry und Owen, Freunde seit ihrer Jugend und jetzt in ihren späten Vierzigern und beginnenden Fünfigern. Die große Frage, der sich die drei Freunde in dieser Serie zu stellen haben ist vermutlich, ob sie denn nun eigentlich erwachsen geworden sind. Tatsächlich haben sie alle drei noch nicht geschafft das zu erreichen, was final das Erwachsensein kennzeichnet. Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.

Joe (Romano) wollte einst professioneller Golfer werden, besitzt statt dessen aber einen Unterhaltungsladen und hat sich gerade von seiner Frau getrennt. Terry (Bakula) hat eine deutlich jüngere Freundin und versucht nicht sehr erfolgreich als Schauspieler Fuß zu fassen. Owen hat als Autoverkäufer und Vater von drei Kindern das bürgerlichste Leben, arbeitet aber bei seinem Vater, der in ihm offenbar eine große Enttäuschung sieht.

Die erste Episode dreht sich dann auch schwerpunktmäßig um Owen, der während einer Joggingrunde aufgrund seiner Diabetes umkippt und zusätzlich dann noch von seinen Freunden beim Rettungsversuch verletzt wird, darauf kurzzeitig seinen Job aufgeben will, dann aber von seiner Frau motiviert wird und am Schluß noch einen schönen Moment hat als er sich gegen einen fiesen anderen Autoverkäufer durchsetzt.

Irgendwie gelingt es der Serie jedoch noch nicht so recht, Comedy und Drama zu verbinden, was daran liegen mag, dass die Serie zu viel Potenzial hat, dieses aber kaum richtig zu nutzen weiß. Das zeigt sich sehr gut in Braughers Rolle, wie TV-Kritikerin Maureen Ryan feststellt: “Braugher could supply a lot of firepower — he effortlessly nails both the comedy and the drama — but the show doesn’t quite know how to use his many gifts.”

Die Seite “A&V Club” vergleicht “Men of a Certain Age, für mich überraschend mit dem Kinofilm “Sideways“, auf dem sich zwei mittelalter Freunde, deren Leben ebenso wenig nach Plan verlaufen ist, auf einen Roadtrip durch Kalifornien begeben:

Men of a Certain Age isn’t quite as good as Sideways, but you can see where it would get there after a while. There’s an appealing sense of lost nostalgia in every choice made on the show, from the Beach Boys infused title sequence to the way all three main characters have big dreams they’ve had to essentially give up on.”

Am Ende könnte “Men of A Certain Age” genauso scheitern wie seine Protagonisten. In Story und Schauspielern ist ein enormes Potenzial für die Serie angelegt, vor allem für gute Geschichten. Das große Problem der Serie könnte werden, dass sie es nicht schafft, dieses annährend auszureizen.

Men of A Certain Age, TNT, seit 7. Dezember 2009

Nummer 6 (James Caviezel) und Nummer 2 (Ian McKellen) vor “dem Dorf”: Sie sind die Hauptfiguren in AMCs Neuinterpretation des britischen Kult-Klassikers “The Prisoner”.

Achtung: Der folgende Artikel kann Spoiler zur Handlung von “The Prisoner” enthalten.

Als ich mir in dieser Woche die sechs Episoden von AMCs Neuinterpretation der britischen Kultserie “The Prisoner” anschaute, staunte ich nicht schlecht. Zumindest während einiger der Episoden erinnerte mich “The Prisoner” an eine Kurzgeschichte, die ich einst selbst mal geschrieben hatte. In meiner Kurzgeschichte ging es um einen Mann, der nach dem Ende der Welt in einer Wüste voller Nichts sitzt, und Dank der Liebe zu seiner verstorbenen Frau, in seinen Träumen nach und nach eine neue Welt erschafft. Der Mann ist der neue Gott und hat den Job des alten (gescheiterten) Gottes übernommen.

Zugegeben, die Idee, dass unsere Realität nur ein Traum sei, ist nicht so originell, dass man da nicht von selbst drauf kommen kann. Tatsächlich beschäftigen sich auch neuere Filme in der einen oder anderen Form mit Schein- und Traumwelten und dem Versuch ihnen zu entkommen. Populäre Beispiele sind sicherlich “The Matrix” und “Truman Show”.

An letztere Welt, Seaheaven, der friedliche Ort, in dem Truman lebt, erinnert auch “Das Dorf” in “The Prisoner”. Vor dessen Pforten beginnt die Geschichte. Michael, der später nur noch “Six” genannt wird, landet wie aus dem Nichts in der Wüste vor dem Dorf begegnet dort einem älteren Flüchtenden, der ihn sofort mit dem Gedanken vertraut macht, dass das Dorf nicht das einzige ist, was es gibt, wie später alle behaupten werden. “Six” selbst meint noch aus New York zu stammen, aus dem Vorspann erfahren wir, dass er Angestellter einer (futuristischen) Überwachungsfirma war, seinen Job aber hingeschmissen hat.

Sixs (richtigerweise dürfte man die Nummern auch nicht als Worte schreiben, ich machs aber trotzdem) erste Begegnung mit dem Dorf beginnt so, wie auch im Original, er besteigt ein Taxi und möchte weg, doch der Fahrer macht nur örtliche Fahrten, der Versuch in einem Shop eine Karte zu kaufen gelingt, doch die Karte zeigt nichts anderes als das Dorf. Später begegnet Six Two, der sowas wie ein Bürgermeister des Dorfes zu sein scheint. Er, zwei Psychologenzwillinge und 313, eine Krankenschwester, die sich später in Six verliebt, versuchen ihm klarzumachen, dass er krank sei, und es nichts anderes als das Dorf gebe. Er wird zunächst mit einem angeblichen Bruder und dessen Familie zusammen gebracht, dann mit einer passenden Partnerin, bekommt außerdem einen Job, interessanter Weise wieder in der Überwachung.

Natürlich zieht die sechsteilige Miniserie ihre komplette Spannung aus der Frage, was hinter all dem steckt. Wird es Six gelingen aus dem Dorf zu fliehen? Warum ist er überhaupt dort? Welchen Sinn hat das Dorf? Währenddessen bietet “The Prisoner” Spielraum und Projektionsfläche für jede mögliche Internetpretation. Man kann es religiös sehen, philosophisch und natürlich auch psychologisch. Doppeltürme am Horizont erinnern zudem immer wieder an 911, und die darauf folgende stärkere Überwachung der Menschen. Es gibt also auch eine politische Dimension.

Doch während das Original, von dem ich nicht alle Folgen kenne, viele Fragen offen gelassen haben soll, ist es beim 2009er Prisoner ganz anders. Die finale Episode nimmt sich viel Zeit, alles haarklein zu erklären, warum, wozu und überhaupt. Die Enttäuschung am Ende ist freilich groß: es ist eine Science-Fiction Story, nicht mehr. Der San Francisco Chronicle hat es gut auf den Punkt gebracht:

“And, in the sixth hour, when viewers do get some kind of definitive resolution to the story (which they didn’t get in the original), the first question out of their mouths might be, ‘I watched six hours for that?'”

Über die Auflösung dann überhaupt noch weiter nachzudenken, ist in ungefähr so spannend, wie sich über die immer komplexer werdende Handlung in der Slasher-Reihe “Saw” Gedanken zu machen, also: gar nicht. Genauso funktioniert “The Prisoner” eigentlich auch: nachdem der Zuschauer über Stunden teilweise mit wirrsten Handlungssträngen und nicht unbedingt kunstvoll verwobenen Zeit- und Realitätsebenen in die Irre geführt wurde, gibt es am Ende einfach eine simple Fantasieerklärung aus den Köpfen der Autoren.

Wozu? Ausdenken kann man sich viel. Die Bedeutung der vielen, teilweise auch überladenden Motive im Film leidet darunter. Selten hat man sich ein offenes Ende mehr gewünscht als hier. Wobei viele sicher sagen werden: Ja, was denn. Es ist doch offenes Ende?

Weiterempfehlen kann ich den 2009er “The Prisoner” also nicht unbedingt, dazu ist die Geschichte im Rückblick schlichtweg zu anstrengend und am Ende keinesfalls befriedigend. Allerdings: die Neuinterpretation hat mich erneut auf das britische Original aus den 60ern aufmerksam gemacht. Und das wollte ich sowieso immer schonmal gucken.


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Glee: The Music

Glee: The Music

Von allen neu gestarteten amerikanischen TV Shows ist die Musical-Comedy “Glee” zumindest was den Kultfaktor betrifft derzeit die erfolgreichste. Zwar erreicht die Serie gerade Mal etwas über 7 Millionen Zuschauer und ein solides 3.x Rating in der Zielgruppe, aber wenn die aktuelle Folge über den Sender Fox geht, dann spricht die ganze Welt darüber, oder zumindest jene die sich am Puls der Popkultur wähnen: sichtbar etwa in den Trending Topics bei Twitter, wo Glee genauso selbstverständlich und in vielsprachigen Tweets zu finden ist, wie “X Factor”. So zumindest meine Beobachtung.

Bereits vor dem Erscheinen des Albums in diesem November, hatten sich die Single-Auskopplungen aus dem Soundtrack erfolgreich verkauft. “Don’t Stop Believing” aus der Pilotepisode schaffte es sogar bis auf Platz 5 der amerikanischen Single-Charts. Das erste Album steht auf dem vierten Platz der US-Albumcharts, in Australien auf Platz 3. Damit ist Glee sicherlich kein Überflieger, kann sich aber seiner Fans sicher sein. Die nennen sich übrigens “Gleeks“. Eine feste Identifikation mit der Marke, ja fast schon eine Jugendbewegung ist innerhalb kürzester Zeit aus der TV Show entstanden.

Das auch in Deutschland erhältliche erste Soundtrack Album enthält 17 Songs aus den ersten Episoden der laufenden Staffel. Der absolute Knaller ist “Maybe This Time“, in dem Serienstar Lea Michelle (Rachel) und Schauspielerin Christin Chenoweth im Duett Duell gegeneinander ansingen, eine besser als die andere. Vor dem Original von Liza Minelli braucht sich dieses Stück keineswegs zu verstecken. Auch die Episode “The Rhodes Not Taken” in der beide Sängerinnen gegeneinander montiert wurden, und Gaststar Chenoweth überhaupt eine überaus gute Figur machte, sich schnell in die Serie einfühlte, war schon ein Highlight.

Nicht nur “Maybe This Time” auch viele weitere Songs auf dem Soundtrack verweisen auf Glück, Schicksal, Glauben. “Don’t Stop Believing” heißt es im Cover von Journey, “Taking Chances” in einem Cover von Celine Dion. Wie auch die Serie: Glee ist reiner Eskapismus und trifft damit auf einen Zeitgeist, der gerade auch in Europa angekommen ist, in Amerika aber eigentlich schon immer normal war. Fernsehen als billiger Trostspender nicht mehr nur für Teens mit dem ersten Liebeskummer und traurige Außenseiter. Für beide gibt es aber auch zahlreiche passende Songs. Besonders hervorzuheben ist auch hier ein weiteres Mal die großartige Lea Michelle mit ihrem traurig-beherrschtem “Take A Bow” (Rihanna).

Gleichwohl, eine der Stärken der Serie ist die gewisse Ironie mit der Glee an sein Thema herangeht. So postuliert Rachel während sie ein MySpace aufnimmt in der ersten Episode, Ruhm nichtmehr Reichtum sei nun der wichtigste Wert in unserer Gesellschaft, und zum Running Gag wurde die Frage, wann Cheerleaderin Quinn nun eigentlich mal ihr Cheerleader-Outfit auszieht, dass sie wirklich immer trägt. Das humoristische Highlight aber freilich ist Jane Lynch, die als ewiges Talent und Nebendarstellerin in Glee endlich eine größere Rolle spielen kann. Ihre Figur, die Gegenspielerin des Chorleiters Will Schuster, Sue Slyvester, bekommt eine Kolumne im Lokal-Fernsehen:

“You know, I’m tired of hearing people complain: ‘I riddle with this disease’ or ‘I was in that tsunami’. To them I say: ‘Shake it up a bit! Get outta your box! Even if that box happens to be where you’re living.’ I’ll often yell at homeless people: ‘Hey, how’s that homelessness workin’ out for ya? Give not being homeless a try, huh?'” (via)

Und weil eine Serie wie Glee eine emotionale Karusellfahrt ist, wie der Hormonhaushalt eines Teenagers eben, gibt es auf dem Album natürlich nicht nur Träume und Tränen, sondern auch ein paar R&B-Nummern, die ohne die seltsamen Playback-Vorführungen, die der Cast in den jeweiligen Episoden hinzappeln muss, auch gar nicht mehr so fremdschämig wirken. Kanye Wests “Gold Digger” und Young MCs “Bust a Move” jedenfalls kann man sich gut anhören. Sogar “Sweet Caroline”, dass man in der Serie politisch unkorrekt mit keinem anderen Wort als “gay” beschreiben konnte, gewinnt auf dem Album.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Für Fans ist “Glee: The Music” eine unausweichliche Achterbahnfahrt durch fast vergessene Teenager-Jahre. Und für alle die noch Teenager sind, ist es zugleich Soundtrack eines Lebensabschnitts, den Glee, Musik wie Show, einfängt wie kein anderes Popkultur-Produkt derzeit. Da vergisst man gerne auch die “Growing Pains”, die die mitunter gehetzt und unkoordiniert wirkende Serie selbst noch zu haben scheint.

Das zweite Album erscheint übrigens bereits am 8. Dezember.

Mehr Glee auf tvundso.com

Der Cast von “V” stellt bei einer Pressekonferenz im Sommer 2009 das Remake der Scifi-Parabel vor.

Vielleicht hätte es die Menschen misstrauisch machen sollen, dass der Ankunft der Anderen ein abgestürzter Kampfjet vorausgeht. Die außerirdischen Besucher, die zu Beginn der ersten Episode von “V” mit ihren Raumschiffen über den Großstädten der Erde erscheinen kommen vorgeblich in friedlicher Absicht, sie wollen Technologie gegen Wasser eintauschen, ein globales Gesundheitssystem aufbauen und in Frieden mit den Menschen zusammenleben. Das aber ist natürlich eine Lüge.

Die Lüge erscheint in Form der zugleich reizvoll, verschlagen und unschuldig wirkenden Anna, der charismatischen Führerin der Außerirdischen. Ihr Antlitz erscheint ebenso wie ihre Pläne in schöner Gestalt. Unter der fleischlichen, attraktiven Oberfläche jedoch verbergen sich reptilienhafte Aliens, die die Menscheit versklaven wollen. Möglicherweise sollen sie ihnen als Nahrung dienen.

Einige Protagonisten unter den Menschen, darunter die FBI-Agentin Erica Evans, ein Geistlicher und ein abtrünniger Außerirdischer schließen sich zu einer Widerstandsgruppe, der Résistance zusammen. Anna ihrerseits hat bereits einen Nachrichtenmann als Propagandaorgan eingespannt, und junge Menschen als unwissende Spione (Botschafter) gewonnen, darunter auch Ericas Sohn.

Die Scienes Fiction-Parabel “V” ist eine Neuauflage der gleichnamigen Miniserie aus dem Jahr 1983. Damals wurde in “V” in der Übernahme der Macht durch die Außerirdischen eine Anspielung auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, der Judenverfolgung und Vernichtung, dem Holocaust, gesehen.

Der 2009er Version ist gleich, dass es sich bei den außerirdischen Besuchern um Faschisten handelt, die mittels charismatischer Führerschaft, vorgeblichen Heilsversprechen, Propaganda, und harter Hand gegen Widerständler ganz und gar unmenschliche Ziele durchsetzen wollen.

In den Besuchern kann man religiöse Fanatisten sehen, Terroristen oder sogar die neue US-Administration Obamas, die ähnlich wie die Außerirdsichen mit flächendeckender Gesundheitsvorsorge warb und gleichwohl charismatisch und attraktiv erscheint. Das allerdings würde etwas zu weit führen. Es geht weniger um konkrete politische Botschaften, sondern um eine allgemeine Atmosphäre der Bedrohung durch den und die Techniken des Faschismus.

Rein optisch macht “V” eine gute, aber keine beeindruckende Figur. Man kennt halt außerirdische Computerraumschiffe schon aus vielen anderen Serien und Filmen, und irgendwie ist das Artwork ja auch immer dasselbe. Der eigentliche atmosphärische Reiz ensteht durch die Licht- und Farbgebung, die kühl, technisch aber auch beruhigend wirkt und die unheimliche perfekte optische Art der Hüllen der Aliens. Insgesamt macht “V” einen recht zeitlosen Eindruck. Einzig verwirrend ist, dass sich das unnahbare Charisma der Alienhüllen auch in den guten Protagonisten fortsetzt und sie ästhetisch genauso überhöht wie die Bösen. Ob das wohl irgendeine Absicht ist?

Von der Erzählstruktur ist “V” als Kurzserie natürlich sehr flott. So passiert in der ersten Episode direkt sehr viel, man hält sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf. Schnell wird deutlich, was sowieso jeder weiß: das die Aliens eine Bedrohung darstellen. Füllepisoden, wie man sie bei ABCs anderer neuer Scifi-Serie FlashForward ertragen muss, wird es hier vermutlich nicht geben.

“V” läuft seit dieser Woche auf ABC und wird zunächst vier Teile haben, neun weitere sollen später folgen. Potenzial die Beliebtheit der als Popkult geltenden Originalserie zu erreichen hat “V” auf jeden Fall. Sowohl bei Zuschauern als auch bei Kritikern wurde die Serie sehr gut aufgenommen. 14,3 Millionen sahen den Piloten, was zu einem hervorragenden 5.2 Rating bei den jungen Zuschauern führte. Kritiken gibt es u.a. bei der USA Today, der LA Times und der New York Times.

John Krasinski und Jenna Fischer während der Dreharbeiten zur Hochzeit der von ihnen gespielten Jim Halpert und Pam Beesly in “The Office”. (Foto: famepictures, via PicApp)

Sie sind endlich verheiratet: Pam Beesly und Jim Halpert (Jenna Fischer und John Krasinski), die vermutlich einzig “normalen” Mitarbeiter der fiktiven Niederlassung des Papier-Imperiums “Dunder Mifflin” in Scranton, USA. Fünf Staffeln und ein paar Episoden hat es gendauert, bis sich die beiden Figuren aus “The Office” (das amerikanische Stromberg) das Ja-Wort geben. In meinem persönlichen TV-Universum die vermutlich wichtigste TV-Hochzeit seitdem Andy und Flo bei GZSZ geheiratet haben. Und von Seifenoper hatte die Lovestory zwischen Jim und Pam auch immner irgendwie was.

Die Amerikaner fegte die vielleicht wichtigste Fernseh-Hochzeit des Jahres allerdings nicht grad massenhaft von den Straßen. 9,1 Millionen sahen zu. Was für derzeitige NBC-Verhältnisse ganz gut ist, aber für so eine wichtige Episode doch irgendwie enttäuscht. Vor einigen Jahren hätte das noch anders ausgesehen. Mit 4,5 Prozent aller jungen Amerikaner erreichte die Episode allerdings ein recht gutes Rating, nur noch geschlagen von Grey’s Anatomy (tvbythenumbers).

Dabei war die einstündige Hochzeitsepisode “Niagara” gar nicht so schlecht. Time schreibt:

“Like a wedding itself, it was sometimes a long blur of one event after another; there were no subplots so much as a string of vignettes, some of them connected. And yet within that blur, there were a few moments that stood out and promised to stick with you: those moments that, as Pam said early on in the episode, you need to take a mental snapshot of.”

Einer der Höhepunkte der Sendung, neben der Vermählung als solcher, war vermutlich jene Szene in der Pam, ohnehin schon völlig gestresst, durch ein Missgeschick der Brautschleier zerreisst und Jim sie aufheitert, indem er sich die Krawatte abschneidet. Vermutlich denken viele weibliche Zuschauer in dem Moment, dass Jim Halpert der perfekte Mann ist.

Die aufgeweckte, erfrischende, humorvolle, aber niemals alberne Art- und Weise in der Jim Pam in Schlüsselszenen, wie eben auch dieser, immer wieder beistand, diese Art, sie erinnert eben auch daran, wie Michael Scott seinen Mitarbeitern beisteht. Mit dem Unterschied, dass Michael mangels sozialer Kompetenz oder Übereifer fast immer scheitert. Die Grundmotivation Jim gegenüber Pam, wie auch Michael gegenüber seinen Mitarbeiter ist allerdings dieselbe: Einsatz für den anderen, egal ob nun in Beruf oder Liebe.

Die eigentliche Vermählung sollte dann sowohl in einer Kirche, als auch auf einem Schiff in den Niagara-Fällen stattfinden, auf das Pam und Jim zwischendurch flüchten. Bei der kirchlichen Trauung entschieden sich die Produzenten ein Youtube-Video aufzugreifen, dass in diesem Sommer für Aufsehen sorgte: Die Hochzeit des realen Paares Jill und Kevin. Aus beidem, dem kuriosen Remake des Youtube-Videos als auch der beeindruckenden Niagara-Trauung wurde schließlich die eigentliche Hochzeit montiert, übrigens ganz ohne dass man jemanden sprechen hört. Sehr gelungen, fand ich. Vorab hatte sich Andy übrigens die Hoden gequetscht, Michael in irgendeiner Abstellkammer geschlafen und Kevin seine Schuhe verloren, so dass er Cleenex-Boxen statt dessen tragen musste.

In Amerika spekuliert man bereits jetzt schon, ob es für diese Hochzeits-Episode vielleicht einen Emmy geben könnte. In Anbetracht des Mangels anderer Höhepunkte im US-Fernsehen, ist das sicherlich nicht unrealistisch. Bis dahin kann man trotzdem schonmal sagen: Here’s to Pam und Jim!

Die lieben Kinder: Atticus Shaffer, Eden Sher and Charlie McDermott in “The Middle”, hier bei einer Pressekonferenz im August 2009.

ABCs neue Comedy erinnert nicht nur vom Titel her an “Malcolm in the Middle” (Malcolm Mittendrin) auch inhaltlich und was die Figuren betrifft, scheint es sich um eine kleine Kopie der bekannten Comedy zu handeln – nur halt ohne Malcolm. Im Mittelpunkt steht hier eher die völlig überstresste Mutter Frankie, gespielt von Patricia Heaton, die für ihre Rolle in “Alle lieben Raymund” zwei Mal einen Emmy gewann.

The Middle ist aber auch “Indiana”, der Bundesstaat in dem die Serie angesiedelt ist und auch die (gefühlte) Mittelschicht, also das Millieu in dem die Familie lebt. Vater Arbeiter, Mutter verkauft Autos (also genau genommen, hat sie bisher noch keins verkauft). Höhepunkt zumindest der ersten Episode ist allerdings der jüngste Sohn “Brick” (Atticus Schaffer, im Bild), der aussieht wie der ebenfalls jüngste Sohn in “Malcolm Mittendrin” und zwar sicherlich nicht dümmer ist, als zum Beispiel der ähnlich angelegte DJ in Roseanne, aber bedeutend seltsamer. Der kleine verschrobene Sonderling ist das absolute Highlight der ersten Episode und hat zahlreiche Gags bei denen zumindest ich herzlich lachen konnte. Neben vielen anderen Merkwürdigkeiten wiederholt Brick etwa bestimmte Wörter flüsternd nochmal zu sich selbst (Begründung: “I like it. It suits me.”)

“The Middle” ist ganz klar eine der besseren Comedys dieses Serienherbstes. Sie erzählt von einer grotesken, einfachen weißen Mittelschichten-Familie, die sich allerdings schon eher auf dem Abstieg nach unten befindet, mit teilweise absurden Figuren und einer ironischen Version von der “Zufrieden mit dem was hat”-Moral. Besonders gelungen ist die Szene, in der die Familie Tochter Sue zu einem Chor-Auftritt der Schule begleitet, dann aber feststellt, dass Sue gar nicht im Chor, sondern nur in der Crew ist. “The only thing lamer than school choir is beeing on the crew for shool choir”, stellt Bruder Axl fest. Doch Vater Mike: “She does look real happy, though”. Auf wunderbar witzige Weise glücklich sieht Sue dank der schauspielerischen Leistung Eden Shers (“Weeds”) tatsächlich aus. Zumindest bis dann doch noch etwas schief geht.

Mit einer ähnlichen Szene endet dann auch die erste Episode:

Frankie: How come, you never tell me you love me?

Mike: I told you, I love you the day I married you. For everything that changed, I like you now.

Frankie (aus dem Off): So yeah, back then on the old licence [früheres Foto/Ich auf Führerschein ist gemeint], I didn’t know what my life was gonna be. And Mike’s right: Now I know. This is my life. It’s not gonna be in “People Magazine” or anything. But you know what? I got it good.”

Zuvor hatte die Familie ihre Mutter, die ein Superhelden-Kostüm trägt, weggeworfene Schokolade essend von der Straße aufgelesen und mit Fast Food zum Abendessen versorgt. Die ironische Unvereinbarkeit des Gezeigten mit dem was gesagt wird, macht den typischen Reiz dieser Art von Comedy aus. Denn es funktioniert beim Zuschauer in zwei Richtungen: sowohl nach dem Prinzip “Always look on the bright side of life”, als auch “Das ist ja nun wirklich ne abgefahrene Familie, dagegen sind wir normal”.

The Middle, Comedy, Abc, seit 30. September 2009, offizielle Website

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

NBCs neue Action-Serie über ein Team von Rettungssanitätern in San Francisco überzeugt in der Pilotfolge nicht nur mit ordentlich Action (Bilder (c) NBC), sondern auch mit überraschend tiefgründigen Charakteren und einem menschlichen Touch.

Der Hintergrund der Serie ist schnell – Achtung – gespoilert: Das Team von Rettungssanitätern bzw. einige von deren Kollegen wurde selbst Opfer eines unglaublich tragischen Unglücks. Zwei Rettungshubschrauber (Bild rechts) kollidierten in der Luft, Kollegen und Freunde starben. Die Handlung setzt schließlich ein Jahr nach dem Unglück ein, das in den ersten Minuten des Piloten die Zuschauer (überraschend, wenn man nicht einen Artikel wie diesen vorher gelesen hat) an den Fernseher fesselt. Mit einem großen, aufwändig gefilmten und inszeniertem Verkehrsunfall (Bild links) wird dann im Heute direkt nochmal nachgelegt.

Gute Hintergrundgeschichte und feine Action, das gefällt schonmal, doch im letzten Drittel des Piloten zeigt “Trauma” noch ganz andere Stärken: es widmet sich der verblüffend intelligenten (in Bezug auf das Genre) Zeichnung der Hauptcharaktere.

Sanitäter Cameron Boone hat das Unglück von vor einem Jahr noch nicht verarbeitet und spricht mit dem gerade zurück gekehrten (aus dem Koma erwachten) Reuben “Rabbit” Palchuk:

Every night for 13 years at the end of the early shift, I went home. But not that night. Rabbit, I could not bring this home. And I still can’t. I can’t bring this home to my family, to my wife and my kids. Do you understand. [...] Who do I take this to? You know, who do I talk to?

Der mit dem Cameron da spricht, Rabbit, scheint auch einer der interessantesten Charaktere zu sein. Er hatte das Unglück überlebt und scheint sich jetzt auf unangenehme, fast schuldige, Weise unzerstörbar zu fühlen.

Die Rettungssanitäterin Nancy Carnahan, die ihren Freund verloren hat, belastet ihr Beruf seit dem Vorfall. In diesem Piloten konnte sie ein Unfallopfer nicht retten. Sie spricht mit dem Unfallarzt Dr. Joe Saviano:

Saviano: You run so fast all of you. You miss the point entirely

Nancy: There is a point?

Saviano: Yes, indeed. People get hurt, some get saved, a lot die. That happens all over again.

Später sehen wir die Charaktere in einer typischen Emergency Room-Stimmung untermalt von dem äußerst passenden Song “Hands Of Time” von Groove Armada nach Hause kommen. Einer kehrt zu seiner Familie zurück, eine telefoniert mit ihrer besorgten Mutter, einer ist alleine zu Hause, schlaflos. “You can’t pick the days Nancy”, hatte Dr. Saviano noch gesagt. “Nor what happens in ‘em”.

Trauma, Rettungsaction, NBC, seit 28. September 2009, offizielle Website

Update 29.10.: NBC hat “Trauma” abgesetzt. Die ersten 13 Folgen werden allerdings noch abgedreht. Schade.

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

Flash Forward (c) ABC

Flash Forward (c) ABC

ABCs neues Mysterie-Drama “Flash Forward” trumpft zum Serienstart in diesem Herbst gleich mächtig auf. Jede Menge Action, eine interessante Grundidee, aufwändige Bilder und eine netter WTF-Cliffhanger können gut unterhalten. Doch stellt sich die Frage, ob dieses Niveau überhaupt über eine komplette Season gehalten werden kann und nicht vielleicht ein einmaliger Publikumsfänger war?

Also worum gehts: Wir sehen verschiedene, zusammenhanglose Leute in ihrem “Alltag”: Krankenschwestern, die sich auf eine OP vorbereiten, ein Pärchen beim Sex, FBI-Ermittler bei einer Verfolgungsjagd, einen Selbstmörder auf einer Brücke und einen Arbeiter auf einem Strommast – als es auf einmal einen globalen Blackout gibt, das heißt, alle Menschen werden für 2 Minuten und 17 Sekunden bewusstlos. Zunächst gibt es darauf natürlich erstmal ein Chaos, Unfälle, Explosionen usw. (siehe Bild). Dazu später nochmal.

Während des mysteriösen globalen Blackouts haben, wie sich herausstellt, die Menschen Visionen von der Zukunft, genauer: vom 29. April 2010. Ein kleines Mädchen spricht die namensgebenden Worte der ersten Episode (“No More Good Days”): “I had a bad dream. I dreamed there are no more good days”. Doch nicht alle empfinden die Zukunft als Bedrohung, manche sehen sie gar als Chance, der verhinderte Selbstmörder etwa. Serienheld Mark Benford, der als FBI-Ermittler herauszufinden versucht, was hinter dem Ereignis steckt, allerdings hat eher düstere Zukunftsvisionen, ebenso seine Frau, einer seiner Kollegen hat sogar gar keine Vision gehabt, was nur eines bedeuten kann: in der Zukunft wird er tot sein.

Doch vielleicht lässt sich die Zukunft ja noch ändern? Ist sie in Stein gemeisselt, oder ist die Vision gerade eine Art “Geschenk”, das es ermöglichen wird sie zu ändern. Solche philosophischen Fragen werden zwar auch aufgeworfen, doch eines macht der Pilot auch ganz deutlich: der Blackout scheint weniger ein metaphysisches Ereignis zu sein, vielmehr: irgendjemand steckt dahinter. Doch wer, und warum? Frühestens in 13 Folgen werden wir das wissen. Vielleicht aber auch erst in vielen Staffeln, sollte sich Flash Forward ähnlich entwickeln wie Serienhit “Lost”, mit dem es im Internet schon hier und dort verglichen wird.

Die Frage aber ist: Was passiert bis dahin? Der Pilot mit seinen reichhaltigen Actionszenen, der schönen Endzeitstimmung nach dem Blackout, all dem Chaos und den Explosionen wird vermutlich in dieser Form eine Singularität bleiben, oder blackoutet es jetzt jede Woche? Eher nicht. Darin unterscheidet sich Flash Forward zum Beispiel von Heroes. Dort wurde 2006 ja auch mit Hiros Zukunftsvision einer Nuklearexplosion in New York eröffnet. Dort allerdings wussten wir: Hey, die haben alle Superkräfte, dann ist ja jetzt erstmal für gute Action gesorgt bis das mit der Explosion geklärt wird. Flash Forward bietet – neben der Neugier auf die Auflösung der Story – nach dem Piloten erstmal nichts an, weshalb man sich auf die kommenden Episoden freuen sollte. Ich bin gespannt, was die Macher da jetzt vor haben, um das hohe Niveau zu halten und für Spannung zu sorgen. Ob Flash Forward ein neuer Serienhit wird, das wird sich erst im Laufe der Staffel zeigen. Das Potenzial ist da.

Interessant: Die Serie basiert wohl auf dem gleichnamigen Buch von Robert J. Sawjer. Ich habe über die Inhaltsangabe bei Wikipedia nur mal ganz knapp drüber gelesen, um mich nicht zu spoilern. Wenn die Schlagworte, die ich da aufgeschnappt habe, auch in der Serie vorkommen, könnte es noch sehr spannend werden.

Update 30.09.: Anke Gröner hat auch einen schönen Ersteindruck zu FlashForward geschrieben. Außerdem habe ich inzwischen gelernt, dass die beiden Worte ohne Leerzeichen geschrieben werden müssen: also FlashFoward statt Flash Forward.

Update 10.10.09.: ProSieben hat sich inzwischen die Rechte an FlashFoward gesichert.

Update 13.1210.09.: ABC hat eine komplette erste Staffel von FlashForward bestellt, mit insgesamt 25 Folgen.

Flash Forward, Mysterie, ABC, seit 24. September 2009, offizielle Website

ustv0910

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Courteney Cox (im Bild während der Dreharbeiten zu Cougar Town in Kalifornien), die wir alle als Monica Geller aus “Friends” kennen und lieben, ist auch nicht mehr die Allerjüngste, inzwischen auch schon 45 Jahre alt. Optimal also, um die 40jährige Cougar in der neuen Comedy “Cougar Town” zu spielen. Cougar, so nennt man Frauen mittleren oder höheren Alters, die sich nochmal einen wesentlich jüngeren Mann schnappen, wie die Löwin die Gazelle. Und genau das ist auch das Vorhaben von Jules Cobb, die sich nach ihrer kürzlichen Scheidung wieder auf dem Markt nach Frischfleisch umsieht und in Episode 1 sogleich auch fündig wird. Problem: Sie hat auch noch einen 17jährigen Sohn, der es alles andere als toll findet, dass sich seine Mutter zu heißbegehrtesten Milf der Stadt entwickelt.

Cougar Town stammt von Bill Lawrence, dem Erfinder der Krankenhaus-Comedy Scrubs, und ist ebenfalls eine Single-Kamera-Comedy ohne Loughtrack, also gefilmt wie eine normale Serie und ohne eingespielte Lacher. Bei der Auswahl des Casts neben der wunderbaren Cox haben die Macher auch allerlei Augenmaß bewiesen. So ist Dan Byrd als Sohn Travis als netter Durchschnittsteenager ohne Außenseiter-Image optimal besetzt (3 v.l.). Auch Busy Phillips (bekannt als Audrey aus Dawsons Creek, rechts) kann man als eine von zwei Freundinnen der Heldin direkt ins Herz schließen. Und Ex-Mann Bobby als trotteliger Macho ist auch eine tolle Figur (2 v.r. stehend).

Überhaupt: Die Liebe zu interessanten Figuren merkt man der Sendung gut an. So klaut ein Teenager Werbeplakate auf denen Jules, die Immobilienmaklerin ist, recht freizügug dargestellt wird und tapaziert sein Zimmer damit. Der kleine “Perversling” ist eine unglaublich kuriose Figur und das obwohl er nur einen Miniauftritt hat. Lediglich Jules Nachbarin und Freundin Elle und deren Mann Andy haben mich noch nicht direkt vom Hocker gerissen.

Ich kann also Sascha vom sablog Recht geben: Cougar Town bietet vor allem symphatische Charaktere und gute Gags. Allerdings: Beziehungsgeschichten und die Problemlagen von Frauen um die 40 sind nun auch keine neuen oder nach Innovation schreienden Themen. Genau wie bei “Accidentally on Purpose“, in der Jenna Elfman die Cougar mit dem jungen Freund spielt, stellt sich die Frage nach dem “Wozu?”.

Während AoP grundsätzlich erstmal vorhersehbar und überflüßig wirkt, macht “Cougar Town” seine Sache ganz gut: Es ist ausreichend gut inszeniert und durchdacht um sich aus der Masse abzuheben, geht aber kaum Risikos ein. Die Hauptfiguren allerdings unterscheiden sich deutlich: Während Jules in “Cougar Town” eher sexuell orientiert ist, ihren Körper und das Älterwerden aber auch kritisch/ironisch sieht, so ist Billie in AoP eher der süße, schusselige Typ. Das wirkt natürlich konservativer, läuft Gefahr langweiliger zu sein. Auch ist “Cougar Town” etwas grotesker als das eher harmlose AoP. In ein paar Wochen werden wir sehen, welche der beiden Cougars die schärferen Krallen hat.

Cougar Town, Comedy, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

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Modern Family (c) ABC

Modern Family (c) ABC

Mann!, ist Al Bundy alt geworden! Ed O’Neill, der den wohl bekanntesten Charakter einer Sitcom spielte, ist zurück auf den Bildschirmen. In ABCs neuer Comedy “Modern Family” gibt er den Patriarchen, Jay Pritchett, einer dreiteiligen Familie; oder anders: von drei Familien, die im Mittelpunkt dieser sogenannten Mockumentary stehen. Genau wie “The Office” und “Parks and Recreation” ist “Modern Family” als Pseudo-Doku gefilmt, es sieht also aus wie eine gespielte, lustige Doku-Soap.

Nur eine der drei Familien, denen das fiktive Doku-Team folgt, entspricht dem scheinbaren Normalbild der amerikanischen Durschnittsfamilie, im Bild oben mittig. Die Dunphys haben drei Kinder, Sohn und zwei Töchter, Vater eher so der Typ, der seinen Aufgaben nicht immer ganz gewachsen ist, Mutter Idealtypus. Die beiden anderen Familien sind eher ungewöhnlich. Jay Pritchett, Claire Dunphys Vater, selbst hat eine viel jüngere lateinamerikanische Frau geheiratet und sein Sohn Mitchells ist schwul und lebt mit einem allen homosexuellen Klischees entsprechenden Mann zusammen. Die beiden haben gerade ein Kind aus Vietnam adoptiert.

Die amerikanischen TV-Kritiker haben “Modern Family” überaus positiv aufgenommen, wie man hier, hier oder hier lesen kann. Zwei Dinge sind mir demgegenüber negativ aufgefallen: Erstens wirkt der Pseudodokustil anders als bei Office oder Parks… irgendwie gezwungen, was man auch daran merkt, dass die Kamera programmiert wirkt, sie folgt also einem Drehbuch. Dokumentarisch ist nur die ständige, sehr starke Wackelei. Zweitens wirken die Akteure nicht sehr authentisch, sondern irgendwie gezwungen. Es ist, als würde man Schauspielern dabei zu sehen, wie sie versuchen etwas lustiges zu spielen, was sie ja auch tun. Es fehlt irgendwie das stimmige Ganze, die Illusion.

Gegen Ende der ersten Episode, insbesondere als sich die Familien dann treffen – vorher wissen wir noch gar nicht, das alle zu einer Familie gehören – wird das besser. Tatsächlich gelingen auch einige gute Gags, andere Geschichten hingegen wirken banal, etwa das die Tochter der Dunphys einen älteren Freund mit nach Hause bringt – da hilft auch die andere Darstellungsform nicht. Überhaupt: wäre da nicht der Mockumentary-Stil, die Dunphys wären vermutlich die langweiligste Sitcom-Familie, die ABC jemals erfunden hat. Die anderen beiden Familien jedoch sind recht gut. Vor allem in dem schwulen Pärchen liegt sehr viel Potenzial. Und Ed O’Neill als Vater Jay könnte nochmal eine große Rolle haben.

Mit 12,7 Millionen Zuschauern, das ist mehr als Office und Parks and Recreation bei NBC erreichen, ist “Modern Family” erstmal sehr gut gestartet. Vielleicht ist die Kombination vom klassischen Sitcom-Thema Familie, dessen erfolgreiche Variation hin zu ungewöhnlichen Familien-Verhältnissen (wie bei Two and a Half Men) und dem noch lange nicht aus der Mode gekommenem Mockumentary-Stil ja eine durchaus erfolgreiche Formel für eine Comedy.

Nachtrag 29.11.09.: Das Entertainment Magazin “The Hollywood Reporter” hat “Modern Family” unter den besten Serien des Jahrzehnts auf Platz 10 gelistet.

Modern Family, Mockumentary, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV Saison 2009/10

The Good Wife (c) CBS

The Good Wife (c) CBS

Julianna Margulies spielt in CBS’ neuem Justiz-Drama die Rechtsanwältin Alicia Florrick. Deutschen Zuschauern ist Margulies vor allem durch ihre Rolle der Krankenschwester Carol Hathaway in Emergency Room bekannt.

Rezension:

Alicia Florrick hat keine leichte Zeit hinter sich. Ihren Ehemann, einen Staatsanwalt, hat eine Korruptions- und Sexaffäre zu Fall gebracht, er sitzt nun hinter Gittern. Mit seinem Rücktritt eröffnet die erste Episode von “The Good Wife” gleich recht spannungsgeladen und legt einige Produktionswerte offen. Das Blitzlichtgewitter, dem sich die etwa 40jährige Mutter zweier Kinder stellen muss, hört sich tatsächlich an wie Gewehrsalven und leuchtet auf wie der Bombenhagel in einem Kriegsfilm. Wir wissen: Alicia Florrick wird es nicht leicht haben. “Does it ever get easier?”, fragt ihre erste Klientin später in eigentlich anderem, aber doch vergleichbarem Zusammenhang (möglicherweise: “angeklagt zu sein”). “No”, antwortet Florrick. “But you do get better at it”.

Nach 13 Jahren außerhalb der Berufes kehrt Florrick also zurück in eine Kanzlei, sechs Monate auf Probe, in Konkurrenz mit einem zweiten Anwärter, wie wir später erfahren, um für ihre Kinder (die in der ersten Folge zunächst nur kurz erscheinen, später aber eigene, nicht unbedingt gute, Storylines bekommen) zu sorgen und ihren Ruf zurück zu gewinnen. Sie bekommt einen ersten Fall übertragen, indem sie eine junge Mutter verteidigen muss, die ihren Ex-Mann ermordet haben soll. Florrick hält sich nicht an die vereinbahrte Strategie der Kanzlei, denn sie findet schnell neue Beweise, die ihre Mandantin entlasten.

Hier liegt die einzige Schwäche der ersten Episode, das Grundproblem dieser und jeder Justizserie. Der Fall und seine Lösung, wie auch der Lösungsweg ist nicht sonderlich spektakulär, neu oder innovativ. Es ist eben das gefühlt tausendunderste Anwältedrama und es gibt wohl kaum noch ein überraschendes Verbrechen. Aber das Genre ist, neben den Medizinern und den Cops eben ein Dauerbrenner beim Publikum. Bis zu 14 Millionen Amerikaner sahen daher auch die erste Episode. Die Einschaltquoten blieben im Verlauf der Staffel auf diesem Niveau.

Die Stärke der Serie aber liegt in ihrer äußerst dichten Atmosphäre und ihren hervorragenden Schauspielern, allen voran natürlich Margulies. Die behutsame Musikuntermalung, die oft entscheidende Akzente setzt, während wir Margulies mitunter nur mimischem Spiel zusehen, und die kühlen, kontrastreichen Bilder schaffen eine gefährlich, aber strukturiert wirkende Welt, in der sich die Anwältin bewegt. Florrick wird es mit Hindernissen zu tun haben, aber sie sind überwindbar, es ist möglich sich in dieser Welt zurechtzufinden. So wechselt die Kulisse ab und an auch in wärmere Bilder und Farben. Als Heldin der Serie steht natürlich außer Frage, dass sich Florrick durchsetzen und viele Fälle lösen wird.

Neugier erzeugt hingegen die Hintergrundgeschichte. Wir wissen nur, dass ihr Mann sie (mit Prostituierten) betrogen hat. Ob er aber auch des Amtsmissbrauchs schuldig ist, das ist vermutlich die große Frage. Darüber hinaus gibt er seiner Frau in dieser ersten Episode aufgrund seines Wissens als Ex-Staatsanwalt einen entscheidenden Lösungshinweis für den Fall. Und natürlich stellt sich auch die Frage, warum Alica sich von ihrem Mann nicht hat scheiden lassen. Ähnlich wie etwa Hillary Clinton scheint sie die “gute Ehefrau”, die erstmal keine überstürzt emotionalen Entscheidungen trifft. Gegenüber zweimal in der Episode auftauchenden Tieren, die gestreichelt werden wollen, lässt sie keine Nähe zu. Ein kleiner, jedoch wichtiger Hinweis der Drehbuchautoren zum Charakter ihrer Heldin. Beherrscht ist sie vor allem, jedoch auch emphatisch, wie sich zeigen wird.

Die wichtige Frage: Wird Alicia Florrick am Ende gar im Falle ihres Mannes ermitteln, eine Verschwörung aufdecken, zu ihm zurückfinden? Schauspieler Chris Noth (Mr. Big aus Sex and the City) ist als Phänotyp des starken Ehemannes eigentlich auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass er nicht die Korrumpierbarkeit in Person sein kann. Als Alicia Florrick zu Beginn der Episode während der Pressekonferenz neben ihrem Mann steht, wirkt sie verstört, zurückhaltend, eingeschüchtert. Auf dem Ärmel ihres Mannes sieht sie einen weißen Faden, hebt die Hand instinktiv um ihn zu entfernen, als er nach ihrer Hand greift und sie aus dem Saal zieht. Gegen Ende wirkt Aliccia Florrick deutlich stärker, auf einem guten Weg. Die Rollenbilder haben sich verändert. Ich würde den Titel der Serie daher auch eher mit “Die starke Ehefrau” als “die gute” übersetzen. Das trifft es.

Nachtrag 18.01.10.: Juliana Margulies hat für ihre Rolle in “The Good Wife” einen Golden Globe gewonnen. Die Serie ist übrigens auch für eine zweite Staffel verlängert wurden. Außerdem gehört sie meiner Ansicht nach zu den fünf besten (neuen) US-Serien 2009.

The Good Wife, Justizdrama, CBS, seit 22. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

Jenna Elfman spielt in “Accidentally on Purpose” die Filmkritikern Billie, die von einem deutlich jüngeren Mann schwanger wird.

Jenna Elfman, in Deutschland bekannt vor allem aus “Dharma und Greg” hat eine neue Sitcom: “Accidentally on Purpose“. Sie spielt die 37jährige Billie (siehe Promotionfoto), eine Filmkritikerin, deren Karriere soweit ganz ok ist, die aber noch kein richtiges Leben hat: die Beziehung mit ihrem Chef verläuft recht ereignislos, denn der scheint sich nicht binden zu wollen. Als er sie eines nachts auf dem Eifelturm nicht mit einem Heiratsantrag überrascht, trennt sie sich und trifft kurz darauf den Koch Zack, Mitte 20, von dem sie schwanger wird.

Klare Sache also: Genau wie bei den Sitcoms “The Big Bang Theory” und “Two and a Half Men”, die nach und vor beide nach “Accidentally on Purpose” laufen, steht im Mittelpunkt der neuen Sitcom eine ungewöhnliche Familiesituation: Die Cougar, also mittelalte Frau, mit dem jungen Mann, die eine Familie gründen (müssen). Sie fügt sich damit hervorragend in das schon bestehende Programm bei CBS ein, das “How I Met Your Mother” am Montag abend einleitet.

Die erste Episode beginnt, wie auch die Los Angeles Times schreibt, mit einer fürchterlich schlechten Zeile: “I can’t do another office party; I’ve already slept with everyone here”. Zumindest lernen wir so gleich mal Billies ersten Sidekick Olivia kennen, die das sagt, eine Journalistenkollegin Billies mit britischem australischem Akzent, die eher partylustig und gerade heraus ist. Später tritt zum Ausgleich noch Billies jüngere Schwester Abby, die eher Niedliche, Ruhige, hinzu. Billies Charakter befindet sich natürlich genau zwischen den beiden.

Auch Zack bringt Anhang mit in die neue gemeinsame Wohnung – die plötzliche Schwangerschaft und die gemeinsame Wohnung sind das Thema der ersten Episode. Drei typisch unreife junge Männer, die ein wenig eine vom Intellekt befreite Versionen der Geeks aus Big Bang Theory sein könnten, sollen also zum Hintergrundrauschen der Kulisse zu gehören und für den einen oder anderen Gag sorgen, was auch ganz gut funktioniert.

“Accidentally on Purpose” wird von der Kritik als “mittelprächtig” bewertet, lebt natürlich von der herausragenden Jenna Elfman und ist bemüht nicht zu beliebig und berechenbar zu wirken. Die Washington Post schreibt: “The show is another entry in TV’s bulging annals of friendly mediocrity. It registers on the senses, it painlessly kills some time, and it fills the gap between the shows that precede and follow it. It’s a bridge, a conduit, a bland bit of linkage.”

Dennoch kann man nicht behaupten, dass “Accidentally on Purpose” nicht symphatisch ist, ganz im Gegenteil: die Serie hat durchaus einen Charme, der vielen Zuschauern gefallen könnte. Das ihre große Schwäche, die Mittelmäßigkeit, all zu sehr ins Gewicht schlägt, ist aufgrund der von der Post angesprochenen Brückenfunktion zwischen den anderen genannten CBS-Sitcoms, die als gut gelten, eher unwahrscheinlich.

Ich zumindest bin neugierig, wies weitergeht. Geht es nach dem Kritiker von Reuters, sei das ja aber wohl klar: “This is an utterly predictable comedy (what, you don’t think Zack and Billie will fall in love in Season 2, right after he starts dating another chick and Billie has an epiphany?) that’s got a few fun lines.”

“Accidentally on Purpose” könnte allerdings gerade aus der Widerlegung dieser unterstellten Vorhersehbarkeit seine Stärke ziehen. Tut sie es nicht, wird sie nicht zu den Sitcoms gehören, an die man sich lange erinnern wird.

ustv0910

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